Die Kaninchen kommen den unseren fast ganz gleich und leben in Erdbauen und hohlen Bäumen, färben aber im hohen Norden im Winter und werden weiß.

Vielen Spaß machten mir später, als ich den Staat Ilinois mit seinen ungeheueren Prairien oder Steppen durchzog, die sogenannten Prairiehühner, die sich hier in gewaltigen Ketten zusammengethan hatten. Ich wollte erst meinen Augen gar nicht trauen, wie's überall um mich herum emporschwirrte und tausende von starken Hühnern aufstiegen; fand aber bald so viel von ihnen, daß ich die Suche gern aufgab und nur dann und wann, am Wege hin, schoß was ich brauchte.

Das Prairiehuhn ist etwa von der Größe unseres Haushuhns — von graulicher Farbe, mit befederten Ständern und kurzem, feldhuhnartigem Schwanz; der Hals ist aber lang wie beim Truthahn und die Flügel sind ganz denen der Fasanen ähnlich. Es fliegt eben so wie das Rebhuhn; ich habe aber stets gefunden, daß es selten vor einer englischen Meile wieder einfiel, was denn das Nachsuchen sehr beschwerlich macht. Das Fleisch ist, die Brust ausgenommen, nicht sehr besonders und steht dem der Truthühner bedeutend nach; seine Federdecke aber ist im Winter so dicht, daß es ziemlich starken Schrot erfordert, hindurchzudringen. Sonst ist die Jagd auf dasselbe ungemein leicht, denn es scheut den Menschen sehr wenig und kommt Morgens und Abends selbst zu den in den Prairien zerstreuten Farmen, um sich auf den Fenzen (Einzäunungen) derselben niederzulassen, wo es dann natürlich sehr leicht erlegt werden kann. Beim Eintritt kalten Wetters fallen sie gern auf die Bäume und sind in dieser Zeit, besonders wenn es etwas stark gefroren hat, fast gar nicht wieder aus den Zweigen des einmal gewählten Baumes herauszutreiben. Ich selbst schoß eines Morgens fünf von einer niedrigen Eiche, in der etwa zwanzig bis dreißig standen, einzeln herunter, und die übrigen blieben ruhig oben. Wagenladungen voll werden von ihnen nach St. Louis und die benachbarten kleineren Städte auf den Markt gebracht, und es leben viele Leute, die sich blos mit der Jagd derselben beschäftigen.

St. Louis gegenüber kreuzte ich den Mississippi und wanderte von hier durch den dichten Wald dem südlicher liegenden, wegen seiner Jagd berühmten Arkansas zu. Nahe bei St. Louis ist jedoch sehr wenig Wild; Feldhühner und Kaninchen wieder ausgenommen; auch lebt hier noch der sogenannte amerikanische Fasan, der sonderbarer Weise in einem weiter südlichen Klima nicht gedeiht. Obgleich ihn aber die Amerikaner Fasan nennen, so ist er doch keineswegs dem unsrigen gleich, sondern unterscheidet sich von diesem in vielen Stücken.

Es giebt zwei Arten — den im Norden, in Canada, fand ich von graulicher Farbe, mehr dem Prairiehuhn ähnlich — der weiter südlich kam dagegen dem deutschen etwas näher und sah bräunlich aus. Auf dem Kopfe trägt er, wie dieser, einen Federschmuck; doch fehlt ihm das Spiel gänzlich, statt dessen schlägt er im Affect ein Rad mit dem Schwanz und schleift wie der Truthahn. Die Ständer sind wie bei dem Prairiehuhn befiedert und er lebt, dem Feldhuhn gleich, in Ketten zusammen, hat aber noch die sonderbare Angewohnheit, in der Balzzeit sich auf umgestürzte Stämme oder abgehauene Baumstümpfe zu stellen und an diese mit den Schwingen zu schlagen oder, wie es die Amerikaner nennen, zu »trommeln,« was man eine lange Strecke weit hören kann. Sein Fleisch ist äußerst zart und weiß, und er gehört zu dem besten Federwild der vereinigten Staaten.

In Missouri nun findet sich in großer Anzahl der amerikanische oder sogenannte virginische Hirsch, den ich vor allen Dingen etwas näher beschreiben will, ehe ich zur Jagd desselben übergehe.

Er ist bedeutend kleiner als der unsrige, und ähnelt in vielen Stücken dem Damwild, trägt auch den Wedel statt der Blume; aber ein von dem des Damwildes sehr verschiedenes Gehörn.

Sein ausgelegtes Geweih zählt selten mehr als vier, höchstens fünf und sehr selten sechs Enden, obgleich ich einst im Walde ein abgeworfenes fand, an welchem ich dreiunddreißig Enden zählte.

Dabei ist es, ungleich dem des amerikanischen Riesenhirsches oder Elks, nach vorn zu gebogen und giebt ihm ein ganz eigenthümliches, fremdartiges Aussehen. Äußerst selten findet man gefleckte oder weiße Hirsche.

Das Rothwild färbt dreimal im Jahre. Im Januar nimmt der Hirsch sein Winterkleid an und wird »grau«; im April erscheint er »roth« und wird im August und September »blau«! Das Thier färbt stets etwa vier Wochen später als der Hirsch. Zum Gerben eignen sich die Decken am besten vom Mai bis Ende September, wo sie besonders in diesem letzteren Monat die meiste Festigkeit erlangen.