»Ja, einen Schatz von Gold, Silber und allerlei kostbaren Steinen und Schmucksachen« — fuhr der Krämer eben so geheimnißvoll wieder fort.
»Aber wo sollten sie denn das Alles hergekriegt haben,« sagte der Wirth ungläubig — »das was die Indianer für kostbar halten, ist für uns Weiße keinen Pfifferling werth — das sind gewöhnlich immer nur Muschelstückchen, die an den Wampum genäht werden, rothe Erde, um Pfeifen d'raus zu machen, und allerlei seltene Federn, die man in New-York für einen Spottpreis kaufen kann.«
»Wo sie's hergekriegt haben sollen?« rief Shark in allem Eifer; — »haben sie denn nicht von jeher die weißen Ansiedlungen überfallen, und da geraubt und fortgeschleppt, was ihnen unter die Hände kam? wird denn nicht sogar behauptet, daß es in dem Alleghany-Gebirge Stellen gebe, wo das Gold klumpenweis läge, und daß es die Indianer wohl gefunden und mitgenommen, aber nicht gewußt hätten, was sie damit anfangen sollten, bis sie es später durch die Gier der Europäer erfahren! Nein, die Schätze sind da, das ist gewiß, und daß sie hier in der Nähe liegen mögen, vielleicht gerade hier unter uns, wo wir jetzt sitzen, das ist auch möglich. Was hätten denn auch wirklich die rothen Hallunken immer hier herum zu suchen? gestern bin ich wieder Dreien begegnet, wie ich, um ein Eichhörnchen zu schießen, in den Wald ging.«
»Die sind nach Vincennes zu,« unterbrach ihn hier die Wirthin, »sie wollten auch blos eine Parthie Otterfelle verkaufen und dachten gewiß wenig genug an Schätze.«
»So?« rief der Krämer pikirt. — »Otterfelle verkaufen, als ob sie deshalb nach Vincennes zu gehen brauchten. Da gibt es auch in Waterton Leute, die Geld genug haben, ihnen ein paar lumpige Otterfelle abzukaufen. Nein, das hat einen anderen Grund, und wir werden's schon noch erfahren. Deshalb war ich übrigens auch so dagegen, daß der kleine Doktor den Indianer zerschneiden sollte — der Teufel hole die rothen Schurken, vielleicht hätten sie das als eine Ausrede genommen, uns die Häuser über dem Kopf angesteckt, und hier mitgenommen, was sie mitzunehmen wünschten.«
»Ja, das sag' ich auch« — meinte Josy — »das wäre auf keinen Fall gegangen; ich weiß noch recht gut, wie sie's ein Mal in Greentown einem Deutschen machten, der auch das Gerippe von einem am Mississippi begrabenen Häuptling hatte stehlen wollen — sie erwischten ihn dabei — zogen ihm den Scalp ab, und ließen ihn laufen — drei Stunden drauf war er todt. Ich habe die Geschichte Mac Botherme zur Warnung erzählt.«
»Ja, und nachher haben sie noch fünf aus derselben Ansiedlung erschossen,« sagte Weppel — »ich kann mich recht gut darauf besinnen, denn ich kam acht Tage später durch Greentown.«
»Und dann war Salomo auch ein herzensguter Mensch« sagte Mrs. Glassy — »gar nicht wie die anderen Indianer — überall gefällig und immer freundlich — es hätte mir in der Seele weh gethan, wenn er nicht einmal ruhig im Grabe geblieben, sondern von dem — Irländer da, zerschnitten wäre. Soviel weiß ich — wenn der hier in Waterton Menschen die Eingeweide herausnimmt und an ihnen herumsticht als wie an einem anderen Stück Vieh, dann mag er mir nur hier aus dem Hause bleiben, dann dank' ich ihm für seinen Besuch — ich ekelte mich zu Tode.«
»Na, das wäre nun das Wenigste,« lachte ihr Mann — »das wäscht sich Alles wieder ab, und was Salomo betrifft, so ist Einer von den Moccasinzertretern so schlimm wie der andere — je freundlicher sie sich stellen, desto mehr muß man sich vor ihnen in Acht nehmen. Aber darin hat Shark recht — ich möchte nachher nicht mehr vor die Thür gehen, wenn es unter dem Stamm bekannt würde, wir hätten hier in Waterton Einen von ihnen nicht allein nicht begraben, sondern sogar noch zerschnitten — am Ende glaubten sie gar, wir wären Menschenfresser.«
»Brrr,« sagte Mrs. Glassy, und schüttelte sich bei dem Gedanken.