Zuerst glaubte sich Wiston verloren, denn wenn auch sein Messer eine gute und starke Waffe selbst gegen den grimmigsten Feind sein konnte, so war doch schon der Platz allein, wo er stand, und wo ihn der geringste Fehltritt zerschmettert in die Tiefe gesandt haben würde, nicht zu einem Kampf mit solchem Feinde geeignet; kaum fand er daher, daß sein Gegner sich damit begnügte, ihn zu bewachen, als er schnell, aber vorsichtig und ohne irgend eine rasche Bewegung zu machen, die das Ungethüm hätte reizen können, das Messer in die Scheide schob und langsam seinen Rückzug antrat.

Der Panther, als er sah, daß Jener sich mehr und mehr von ihm entfernte, folgte ihm langsam, und mehreremal zuckte Wiston's Hand nach dem Stahl, wenn sich die schlanke Gestalt der Katze zum Sprung niederbog, immer aber konnte sich diese nicht zu einem offenen Angriff, Aug' in Aug, entschließen.

So erreichte er den untersten Ast wieder, schlang das Seil um den Stamm, erfaßte beide Ende desselben, und glitt bedächtig, aber doch so schnell als möglich hinab. Die Hunde hatten aber indessen ihren Feind in den Ästen bemerkt, wie er ihrem Herrn folgte, und in toller Wuth, fast zur Verzweiflung getrieben, daß sie ihn nicht erreichen konnten, sprangen sie empor und bellten und heulten auf eine herzbrechende Art.

Endlich gewann Wiston wieder den festen sicheren Boden; seine Kleider waren zerrissen, das Blut tropfte von seinen Armen, denn die rauhe Rinde des Stammes hatte sie zerschnitten, seine Kräfte waren erschöpft und seine Kniee zitterten; aber nicht einen Augenblick vergönnte er sich zum Ausruhen, sondern sprang zu dem Ort, wo seine Büchse lehnte, ergriff diese und hob sie, um den Panther aus seiner sicher geträumten Höhe herabzuholen; aber vergebens bemühte er sich das schwere Rohr auch nur eine Secunde lang still und unbeweglich zu halten, seine Glieder zitterten, und er war genöthigt sich niederzuwerfen, um auszuruhen. Aber kein Auge wandte er von der, jetzt dicht an den Stamm angeschmiegten Gestalt der Bestie, neben der das Junge, keine Gefahr weiter fürchtend, mit emporgehobenem Schweife, auf einem etwas vortretenden Aste stand, und sich behaglich an der Mutter strich.

Wiston erholte sich bald, faßte noch einmal seine Büchse, zielte lange und sicher, und donnernd schallte das Echo von fernen Hügeln herüber.

Die Bestie, vom tödtlichen Blei durchbohrt, zuckte zusammen, sprang empor und kletterte in wilder Eile von Zweig zu Zweig in den Gipfel des Baumes; die dünnen Äste schwankten unter ihr; jetzt hatte sie den höchsten Punct erreicht – höher hinauf wollte sie; das schwache Laubwerk gab nach – sie stürzte, faßte noch mit den gewaltigen Tatzen im Herunterfallen nach den Blättern und Ranken und schmetterte, von den Hunden heulend erwartet, verendet zu den Füßen Wiston's nieder.

Zwar stand diesem jetzt kein weiteres Hinderniß entgegen, das Junge lebendig zu fangen, das ängstlich bis zu den niedrigsten Ästen des Baumes der Mutter gefolgt war, doch hatte er das erste Mal seine Kräfte zu sehr angestrengt, und vermochte nicht auf's Neue den beschwerlichen Weg anzutreten; er lud daher seine Büchse wieder und brachte es mit sicherem Schusse in den Bereich der Hunde, die mit grimmiger Wuth über dasselbe herfielen.

In wenigen Minuten waren die Felle abgestreift und auf den Pony geworfen, und von den Hunden gefolgt, trabte der kühne Jäger neuer Beute und neuen Gefahren entgegen.

Wandernde Krämer.