Der Boreas hatte die »Heads« des schönen Sydney-Hafens kaum hinter sich, als er, von einer scharfen Südbrise gefaßt, pfeilschnell durch die Wogen schoß. Die Raaen standen eben genug zu Backbord angebraßt, daß der Wind auch die Klüver füllen, und voll in alle Segel hineinstehen konnte, und noch war die Nachmittagswache nicht gesetzt als die leichteren Segel schon wieder nieder mußten.

Gegen Abend wurde der Wind immer stärker, und da das Schiff nicht so stark bemannt war, mit sehr viel Segeln in schlechtem Wetter rasch handthieren zu können, ließ der Capitän noch vor Dunkelwerden ein Reef in die Marssegel nehmen. Das Schiff loggte neun Knoten.

Von den letzt eingefangenen Leuten waren außerdem noch zwei auf der Krankenliste; der eine englische Matrose, Jack, der schon mit einem leichten Fieber an Bord gekommen, und der deutsche Matrose, Hans – derselbe der damals, bei der Flucht der anderen in Sydney an Bord geblieben. An demselben Morgen, an dem sie ausliefen, hatte diesen, beim Füttern, eines der Pferde an den Schenkel geschlagen, und obgleich ihm die Wunde vom zweiten Mate ziemlich gut verbunden war, schmerzte sie ihn doch noch sehr. Er konnte nicht auftreten, mußte also gleichfalls die Coje hüten.

Die ganze Mannschaft bestand außer diesen beiden und dem Capitän mit seinen beiden Mates nur noch aus zehn Personen, und zwar dem Steward und Zimmermann, dem Koch (einem Neger), aus drei Engländern, unseren alten bekannten Bill, Bob und Jim, zwei Franzosen, Jean und François, zwei Deutschen und einem Jungen.

Der Junge war ein Malaye und gehörte eigentlich, wenn das Schiff Passagiere führte, mit in die Cajüte, dem Steward und Koch als Hülfe, wurde aber jetzt, da er vorne nöthiger war, mit in das Vorcastel gethan und ging seine Wachen wie die anderen.

Auf der Starbords- oder Steuerbordswache (die erste) waren der Capitän mit dem zweiten Mate, der Steward, Bill, Jean, Hans und der junge François; auf der Backbord- oder zweiten Wache, der erste Mate mit dem Zimmermann, der auch zugleich mit Bootsmannsdienste verrichtete, mit Bob, Jack, Karl, Jim und dem Malayen.

Zu seiner vollen Besatzung hätte der Boreas die doppelte Mannschaft gebraucht, der Capitän war aber, wie die Sachen jetzt in Sydney standen, nur froh mit diesen fortgekommen zu sein und glaubte sich bis Indien in einem ziemlich günstigen Monsun auch wohl behelfen zu können. Bei günstigem Winde, und wenn das Schiff nicht zwischen vielen Inseln hindurch und aus engen Straßen hinauszukreuzen hat, wo die Mannschaft durch das ewige Wenden erschöpft und aufgerieben wird, kann man auch ein Schiff mit verhältnißmäßig sehr wenig Leuten vorwärts bringen.

Die Mannschaft saß unten im Logis oder Vorcastel (wie der vorderste Raum im Schiff genannt wird, wo die Matrosen gewöhnlich ihren Aufenthalt haben), beim »Schaffen.« Zwei große hölzerne Schüsseln oder besser Wannen, die eine mit einem gar verdächtig aussehenden Stück gesalzenem Speck und Rindfleisch, die andere mit hartem muldigem Schiffszwieback gefüllt, standen zwischen ihnen, und nebenbei dampfte eine riesige Blechkanne, aus der sich jeder, wie es ihm gut dünkte, seinen vor ihm stehenden Blechbecher mit dem allerdings etwas sehr dünnen und unschuldigen aber kochend heißen Getränk füllte.

»Da seid Ihr schuld daran, Gott verdamm mich,« brummte der Zimmermann, als er sich eben selber zu einer »Tasse Thee« half, wie dies Wasser schmeichelhafterweise genannt wurde – »ich glaube wahrhaftig sie wollen uns knapp halten, und nun muß ich das verfluchte Zeug mitsaufen. Koch, du schwarze Bestie, was hast du hier für eine Brühe zurecht gebraut? – ist das Aufwaschwasser da Thee – heh?«

»Kann nicht helfen, Massa,« sagte der Schwarze, der eben die Stiege heruntergekommen war und seine Pfeife in der kleinen, in der Mitte schwingenden Lampe angezündet hatte. Er zuckte dabei mit den Achseln und that als ob er selber sehr betrübt darüber sei; die großen rollenden Augen fuhren aber zu gleicher Zeit und mit unverkennbarem Humor im Kreis herum, und man sah es ihm an, daß es ihm nicht gerade das Schmerzlichste war, den Zimmermann über seinen Thee entrüstet zu finden. »Massa Steward« setzte er hinzu, »gibt nur ganz kleine Fingerspitzen voll Thee – meinte, wenn die Leute jetzt in den Minen wären, hätten sie auch keinen stärkeren Thee gehabt – wäre gerade recht.«