»S'ist doch ein merkwürdiges gibberitch das Französische« brummte Bill kopfschüttelnd. »Ich habe mich nun so lange zwischen Franzosen herum getrieben, aber nie mehr davon wegkriegen können als merci Monsiehr und sil woo plaze – was beinah wie breit Irish klingt. – S'ist eigentlich merkwürdig daß wir Engländer, wenn wir uns ein paar Worte französisch merken immer nur Höflichkeiten, und die Franzosen bei ihrem ersten Englisch Sprechen nur Fluchen lernen. Hol mich dieser und jener wenn nicht das erste Wort was ein Franzmann von unserer Sprache begreift, jedesmal God dam ist. – Ich möchte nur wissen woher das kommt, denn es ist ja doch gerade gegen beider Natur. – Wenn ich z. B. höflich sein soll, komme ich mir immer vor wie eine Katze die schwimmen will. – Wir sind einmal nicht daran gewöhnt.«

»Es mag doch wohl daher kommen,« sagte Hans lächelnd, »daß Ihr Engländer so entsetzlich viel flucht, und die Franzosen so entsetzlich viel höfliche Redensarten haben. – Was die eine Nation nun von der andern am meisten hört, behält sie auch am leichtesten.«

»Hm,« brummte Bill, »das wäre möglich, daran habe ich noch nicht gedacht« und er saß eine Zeit lang so in Gedanken versunken da, daß er nicht einmal merkte wie er eine neue Flasche vorgeholt, geöffnet und einen langen Zug daraus gethan hatte.

Timor's Augen, obgleich er an dem Gespräch nicht Theil nahm, leuchteten, als er die Möglichkeit vor sich auftauchen sah, sein lange nicht gesehenes Heimathland wieder zu betreten. Nur soviel eifriger machte er sich jetzt daran die Angelgeräthschaften, die er auch an Bord des Boreas unter Händen gehabt, hervorzusuchen, und seinen Fischfang zu beginnen. Zu dem Zweck befestigte er jetzt ein Stück rothes Zeug an einem ziemlich starken Haken, und ließ es, etwa zehn Ellen vom Boot entfernt, nachschleifen.

Das kleine ziemlich schwerbeladene Boot legte sich indessen, mit dem Wind recht breit von der Seite in die Segel, fast bis an den Steuerbordrand auf das Wasser, und die Besatzung mußte nach Backbord hinüberrücken, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Nach Südwesten zu wurden jetzt schon die drei Spitzen der Hannibals Inseln sichtbar. Nachmittag starb der Wind aber plötzlich weg, und um nicht von der Strömung zu weit westlich getrieben zu werden, ruderten sie nach einer kleinen Sandbank, deren weißen Rücken sie über dem dunklen Wasser vielleicht zwei Meilen vor sich konnten herausschimmern sehen, und warfen dort Anker. Timor hatte allerdings einen Fisch gefangen, niemand aber daran gedacht Feuerholz vom Schiff mitzunehmen, und da auf dieser Sandbank auch nicht der kleinste Strauch, ja kein Grashalm wuchs, mußten sie ihr Abendbrod, von ihren Vorräthen halten und den Fisch auf morgen sparen.

Die Nacht schliefen sie im Boot, mit regelmäßig ausgestellter Wache. Es ließ sich indessen nicht das mindeste hören oder sehen, was sie hätte beunruhigen können. Die Nacht war warm und ruhig, und erst gegen Morgen erhob sich wieder eine schwache Ostbrise, bei der Hans, dessen Wacht es war, den leichten Anker hob, die Segel setzte und langsam über das spiegelglatte Wasser hinglitt. Als die andern erwachten, fanden sie sich zu ihrem Erstaunen schon wieder unterwegs und die Sandbank, die jetzt bei Fluthzeit auch fast bedeckt war, weit hinter sich.

Der Wind blieb übrigens den ganzen Tag sehr schwach; sie mußten zweimal wieder ankern, und erreichten den zweiten Abend mit genauer Noth die nördlichsten der Hannibal Inseln, wie sie auf der Karte genannt sind – ein niederer, nur mit wenigem Gesträuch bedeckter Felsen unter dessen Lee sie ankerten, und es vorzogen wieder im Boot zu schlafen. Abends gingen sie aber vorher an Land und brieten mit zusammengesuchtem trockenen Holz eine tüchtige Portion delicater Fische, die Timor über Tag gefangen.

Hans war allerdings nicht recht damit einverstanden daß sie ein Feuer anmachten, denn wenn sie das auch vorsichtigerweise auf der Nordseite der Insel thaten, so daß es von der jetzt deutlich sichtbaren Küste des festen Landes aus nicht gesehen werden konnte, so mochte der aufsteigende Rauch dort etwa herumstreifenden Wilden leicht verrathen, daß sich hier Fremde aufhielten. Bill wollte davon aber nichts hören, und meinte die schwarzen Schufte würden dann ebenso wenig wissen, ob es nicht Fischer von ihrem eigenen Stamm wären, als Weiße, und wenn sie jetzt schon in der Hinsicht so ängstlich sein wollten, wie das dann nachher werden sollte? Die Fische wurden deshalb auch gebraten und schmeckten ausgezeichnet.

Am nächsten Morgen wehte ihnen ein schwacher Landwind gerade entgegen, und erst um 10 Uhr konnten sie Segel setzen und den Anker lichten. Die australische Küste trat jetzt immer klarer und deutlicher heraus. Sie konnten schon das niedere buschige Gehölz, das ihre Ufer bedeckte, unterscheiden. An der weißen sandigen Bank ließen sich aber keine menschlichen Wesen erkennen, und sie sahen auch nirgends Rauch aufsteigen. Der ganze Strich hier schien vollkommen unbewohnt, und Hans, der wieder am Steuer saß, bat Bill, ihm doch das kleine Fernrohr, das gleich oben links in der Kiste lag, herüberzureichen.

»Wenn wir hier nicht mit Wilden zu thun bekommen, finden wir auch kein Wasser,« sagte er, nachdem er das Land eine Weile mit dem Fernglas überflogen hatte. – »Willst du das Glas haben, Bill?«