Jean hatte eine Uhr, die einzige an Bord, die der Wachthabende jedesmal in Verwahrung bekam. Die ersten drei Wachen verliefen übrigens vollkommen ruhig, und als Bill sich, von François geweckt, aufrichtete, schliefen Hans, Jean und Timor so fest, als ob sie in irgend einer wohl verwahrten und civilisirten Stadt in ihren Betten lägen und dort auch, bis Morgens der Kaffee käme, jedenfalls liegen bleiben wollten.

»Hallo,« sagte Bill und rieb sich die Augen – »was zum Henker, ist's schon zwei Uhr? – ich glaubte, ich hätte mich eben erst niedergelegt. – Es wird ordentlich kalt, Morgens.«

»Schon drei Uhr fast, Kamerad,« versicherte François, »Alles ruhig gewesen!« Damit übergab er dem Wachthabenden die Uhr und rollte sich ebenfalls in seine Decke, die Beine über die nächste Bank streckend.

Bill war übrigens zu lange in Australien gewesen sich nicht indessen an ein Pfeifchen gewöhnt zu haben, aus dem sich sonst Matrosen, wenn sie ihren Kautabak haben, gewöhnlich nicht viel machen. Vor allen Dingen knöpfte er sich aber erst einmal warm in seine dicke Lootsenjacke ein, denn die Morgenluft zog schon scharf von Osten her über das Wasser, schnitt sich dann in der Hand eine Pfeife voll Kautaback klein, stopfte seinen kurzen irdenen Stummel und schlug Feuer. – Das dauerte aber wohl eine Viertelstunde lang, denn der Schwamm war feucht geworden und wollte nicht fangen. Bill wurde auch endlich ärgerlich darüber und fluchte nach Matrosenart, bis er zuletzt all seine Kraftwörter erschöpft hatte, und nur immer bei jedem Schlage damn itdamn itdamn it, brummte. Endlich bekam er Feuer, setzte sich dann mit übergeschlagenen Beinen und die Schulter bequem gegen den kleinen Mast gestützt, in Wachtpositur, und qualmte aus Leibeskräften.

Sechszehntes Capitel.
Der Morgenbesuch.

Durch das Feuerschlagen war Timor wach geworden und richtete sich ebenfalls auf. Es schien ihm aber zu frisch außerhalb der Decke, und noch halb im Schlaf sah er nur einmal über den Bootsrand weg neben dem er lag, nach dem Lande zu, und wickelte sich dann wieder, so warm es ihm möglich war, ein.

Bill wußte nun allerdings recht gut daß er die Wacht hatte, und nicht allein munter bleiben, sondern auch aufpassen mußte; aber es war ihm nur eine höchst unbestimmte Idee, auf was eigentlich. Canoes hatten sie am Abend vorher nicht gesehen, und so dunkel wie es jetzt geworden war, sollte es den Wilden, wenn überhaupt welche an der Küste hausten, sehr schwer werden das fremde Boot zu finden. Keinenfalls hätten sie aber so geräuschlos anrudern können, daß sie von ihm nicht bemerkt wären, und in dieser Hinsicht fühlte er sich auch vollkommen beruhigt.

Das Wetter sah ebenfalls günstig aus, denn obgleich sich am Himmel hie und da dichte Wolken sammelten, versprachen die mehr einen möglichen Regenschauer als viel Wind. Ueberdies lagen sie hier durch das Land durchaus geschützt, und brauchten nicht das mindeste für ihr kleines Boot zu befürchten. Die Wacht versprach also, ebenso wie die übrigen drei, ohne das mindeste Außergewöhnliche abzulaufen. Nichtsdestoweniger setzte er sich so, daß er den schmalen Wasserstreifen, der zwischen dem festen Land und ihrer Jölle lag, vollkommen übersehen konnte, und bließ, den rechten Ellbogen auf das rechte übergeschlagene Knie gestützt, seinen Tabaksdampf in regelmäßigen Puffen dem Morgenwind entgegen.

So mochte es vier Uhr geworden sein. Bill hatte sich seine dritte Pfeife gestopft, und im Osten zeigte sich eben der erste graue Dämmerschein des nahenden Tages. Der Schwamm war aber diesmal nicht gefälliger als das erstemal, und Timor, der überdies die ganze Nacht vortrefflich geschlafen, und auch am Schiff daran gewöhnt war meist um diese Zeit aufzustehen und Kaffee zu kochen, richtete sich bei dem hartnäckigen Feueranschlagen des Matrosen auf den Ellbogen in die Höhe und frug leise, die anderen nicht zu stören:

»Wie viel Uhr, Tuwan Bill. – Wird's schon Tag? es muß noch früh sein?«