»Da wär' eine Gelegenheit von hier fortzukommen,« sagte Hans lächelnd, nachdem sie das Segel, dessen Fortgang sie leicht bemerken konnten, eine kleine Weile schweigend beobachtet hatten, »was meinst du, Bill? sollen wir unser Glück damit versuchen?«
Bill schüttelte aber finster mit dem Kopf und sagte endlich, nachdem er sich ein tüchtiges Stück von seinem Kautaback abgebissen und den Rest wieder in die Mütze – dem gewöhnlichen Aufbewahrungsort, gelegt hatte: – »Ne – so gern ich hier weg wäre, aber die Gesellschaft Capitän Oilytts ist doch zu gut für mich – ich bin sie nicht werth und – ich will mich nicht gern wieder hineindrängen. – Wenn wieder ein's käme, ja, da will ich nichts dagegen sagen, aber ich denke dies erste gönnen wir unserem Alten zu seiner alleinigen Verfügung.«
»O wenn's nur deshalb wäre,« rief Jean, »das sollte mich wahrhaftig nicht abhalten. – Auf einem fremden Schiff hat er Nichts zu sagen, denn er ging höchstens als Cajütenpassagier und wir kämen als Wachtverstärkung mit ins Vorcastel. Was könnte er uns da anhaben?«
»Was er uns anhaben könnte?« wiederholte Bill, »weiter nichts, Mann, als daß er uns viere hier einfach in Eisen legen ließe, wegen Widersetzlichkeit – wenn er da irgend Gefallen d'ran fände. Und thäte er das wirklich nicht, so kannst du dich d'rauf verlassen, er würde uns bei dem anderen Capitän einen solchen Namen machen, daß ich lieber mit sieben Jahr Urlaub nach Norfolk Island oder Vandiemensland geschickt werden möchte, als dort Matrose sein. Frag einmal Hans, was der dazu meint. – Und Timor erst für sein bischen Versteckens spielen. – Aus dem seiner Haut machten sie, Gott straf mich, Kabelgarn.«
»Unsinn, Mann,« lachte Jean, »es fällt mir ja gar nicht ein Capitän Oilytts Gesellschaft je wieder aufzusuchen. Im Gegentheil, ich danke Gott daß ich sie mit so guter Manier los geworden bin. Das Schiff hat aber jedenfalls den Vortheil für uns, daß es den Capitän mit seiner ganzen Gesellschaft aus der Straße herausnimmt, und kommt später einmal ein anderes, und es gefällt uns dann nicht auf dem festen Lande, dann können wir immer noch thun was wir wollen.«
»Hollo, Hans, was machst du da?« wandte er sich plötzlich zu diesem, der nach vorn gegangen war, und ohne weiter etwas zu sagen, den kleinen Anker aufholte.
»Was ich mache? – ich mache uns flott,« lautete die Antwort – »oder wollen wir heute hier liegen bleiben?«
»Gut dann, an Land!« rief Jean fröhlich, »und gefällt uns das Innere, so sollen uns alle Wilden Australiens nicht abhalten unser Ziel zu erreichen.«
»Damit bin ich auch einverstanden,« meinte Bill, »meine Flinte kann aber Timor nehmen. Ich will verdammt sein, wenn ich das Ding noch einmal losschieße oder vielmehr sich selber losschießen lasse. Was ich bis jetzt daran gesehen habe, so scheint es mir verwünscht unabhängig zu sein, und sich wenig daran zu kehren, ob an dem kleinen Stück Eisen da gedrückt wird oder nicht.«
Als der Anker gelichtet war, wollten Bill und François nach den Rudern greifen, die kurze Strecke hinüber zu rudern; Hans richtete aber das Segel auf und schlug ihnen vor, noch eine kleine Strecke an der Küste hinabzufahren, bis wo sie wieder Hügel zum Strande niederdachen sehen konnten. Die Gegend war hier vollkommen flach, die kleinen Hügel standen aber mit anderen höheren, deren blaue Spitzen sie jetzt schon erkennen konnten jedenfalls in Verbindung. Es war dort auch eher wahrscheinlich daß sie Wasser finden würden als hier; und Wasser blieb ihnen ja doch, bei einem Marsch ins Innere, die Hauptsache, wo sie wohl dann und wann ein Stück Wild erlegen konnten, ihren Hunger zu stillen, aber nie im Stande gewesen wären sich ohne Wasser zu behelfen.