Weit kann es heute Abend nicht mehr gehen, ehe es Anker werfen muß, und dann wirds morgen Nachmittag etwa gerade in Zeit hier eintreffen, unsere ganze Gesellschaft wieder bei einander zu finden.«

Timor hätte sich nun freilich gern noch besser von der Identität des Segels überzeugt, aber mit dem sinkenden Abend legte sich ein leichter Dunst über die Oberfläche des Wassers, der die entfernteren Gegenstände bald umhüllte, und jede weitere Beobachtung unmöglich machte. Der Nebel zwang sie aber auch zu noch weit größerer Vorsicht und Aufmerksamkeit, denn unter seinem Schutz, wenn er nur etwas dichter wurde, hätten sich ihnen selbst Canoes nähern können, wie viel mehr denn einzelne Wilde mit ihren so einfachen, und doch so gefährlichen Waffen.

Timor drang auch deshalb darauf, daß sie von der Insel ablegten, und weiter draußen Anker würfen. Bill sah auch endlich selber ein daß das nöthig sein würde, wollte sich aber später, als er nach Dunkelwerden die beiden Signalschüsse, und zwar diesmal ohne schlimme Folgen abgefeuert hatte, unter keiner Bedingung dazu verstehen den Ankerplatz noch einmal zu verändern, um etwa lauernde Schwarze irre zu führen. Der Nebel legte sich nämlich gleich nach Dunkelwerden in dicken Schwaden auf das Wasser, und Bill hielt es für unnöthig, sich Mühe und Arbeit zu machen, wo bei solchem Wetter selbst ein Indianer sein kleines, vor einem leichten Wurfanker liegendes Boot nicht hätte finden können.

Um Mitternacht erhob sich übrigens eine leichte östliche Brise, und trieb die Schwaden nach Westen und Nordwesten hinüber. Die Sterne leuchteten hell und klar von dem dunkelblauen Firmament hernieder, und die See funkelte und blitzte in der leisen Bewegung ihren Glanz tausend und tausendfach wieder.

Bill war ganz damit einverstanden die erste Wacht von sechs bis zwölf zu nehmen, und die zweite dem Malayen zu überlassen. Dieser streckte sich denn auch ziemlich sicher, daß sie um diese Zeit wenig von einem Angriff zu fürchten hätten, in seiner wollenen Decke im Bug des kleinen Fahrzeugs aus, und war bald sanft und süß eingeschlafen. Bill indeß, in dem doppelten Genuß einer guten Pfeife Tabak und eines vorzüglichen Glases Portwein, welchen beiden er ohne den mindesten Rückhalt zusprach, theilte seine Aufmerksamkeit gewissenhaft zwischen diesen und dem dann und wann über das Wasser tönenden Geräusch von Fischen oder Seevögeln.

Er war jedoch weit davon entfernt der Flasche mehr zuzusprechen als er vertragen konnte, denn er wußte recht gut von welchen Gefahren sie, wenn auch nicht wirklich umgeben, doch jedenfalls erreicht werden konnten, und wie nöthig es in einer solchen Lage sei seine Sinne vollständig beisammen zu haben.

Ein paarmal aber nur wurde er wirklich beunruhigt, indem ein wunderliches Gurren und Schnalzen, wahrscheinlich von auf dem Wasser schlafenden oder träumenden Seevögeln seine Lebensgeister zu voller Thätigkeit weckte und anspannte. Einmal stand er sogar im Begriff Timor zu wecken, denn die Laute kamen weit näher als ihm lieb war, und doch konnte er nicht das mindeste über dem Wasser erkennen. Mit einem derben und ziemlich lauten Fluche sich Luft machend, nahm er sein Gewehr auf die Knie, dem ersten sich zeigenden und verdächtigen Gegenstand erst vor allen Dingen einmal eins aufzubrennen. Von dem Moment an war aber wieder alles ruhig, und selbst die Töne ließen sich nur erst später in einiger Entfernung zum zweitenmal hören.

So kam Mitternacht heran. Der Nebel zog sich fort und Timor, dem Bill von den wunderlichen Lauten um das Boot her, erzählt hatte, legte sich vergebens flach in das Boot, und nur mit dem Kopf über den Rand desselben auf die Lauer, irgend weiter etwas Verdächtiges zu erspähen. Bis gegen Morgen blieb alles ruhig, und nur ein einzigesmal glaubte er in der Richtung nach der kleinen Insel zu, neben der sie den Tag über gelegen, etwas zu hören, das nicht, weder von einem Bewohner der Tiefe noch der Luft herzurühren schien. Es kam dem von Bill erwähnten Laut nah, klang aber anders als er beschrieben worden, und schien von zwei verschiedenen Seiten beantwortet zu werden.

Timor lauschte den Tönen auf das aufmerksamste, bis er den vollen Klang derselben begriffen hatte, und ahmte jetzt denselben erst leise, dann laut und zuversichtlich nach. In demselben Moment schon hatte er auch die Genugthuung sich beantwortet zu hören, und zehn Minuten später etwa glaubte er in dem bewegten und sternblitzenden Wasser etwas heranschwimmen zu sehen. Was es aber auch gewesen, es verschwand in Sicht von dem Boot, und ein gleich darauf ganz in der Nähe des vermutheten Gegenstands aufsteigender großer dunkler Seevogel, der mit flappenden Schwingen über die Oberfläche der See eine Strecke lang schwerfällig hinflog, bis seine Flügel die Luft ordentlich faßten und ihn nach oben trugen, beruhigte ihn über die Ursache der gehörten, scheinbar verdächtigen Laute.

Nichtsdestoweniger wußte er, selbst ein Kind des Waldes, viel zu gut, wie nöthig in der Nähe feindlicher Stämme stete und unausgesetzte Wachsamkeit sei, und verwandte, während der Stunden seiner Wacht kein Auge von dem nur leise durch die leichte Brise bewegten Wasserspiegel.