»Gut,« fuhr Dumfry in seiner Beschreibung fort, »hier der, durch ein Kreuz bezeichnete Punkt ist der Felsgipfel, auf dem wir stehen, und jene südlich gelegene Abdachung dieselbe, auf welcher dorten der Nebel liegt, und von wo aus Sie dem niederströmenden Bach an der Grenze hin zu See folgen können. Eine Verwechselung ist hier unmöglich.«

Tomson hatte die Karte aufmerksam eine Zeitlang betrachtet; endlich legte er sie wieder zusammen, schob sie in ihr Futteral zurück, reichte es Van Broon und sagte, zu gleicher Zeit nach Süden hinüberdeutend, wo die bezeichnete Gegend lag: –

»Den Platz getrau ich mich von hier aus selber zu finden, nicht aber mein eigenes, kleines Fahrzeug, wenn wir länger hier zögern, als es unumgänglich nöthig ist – es liegt weit draußen an den Riffen, und da drüben braut ein Wetter, oder ich will im Leben kein Salzwasser wieder schmecken.«

»Die Stürme wüthen oft fürchterlich an dieser Küste,« fiel Dumfry rasch ein, dem nichts Erwünschteres kommen konnte, als durch solchen Grund ihre Rückkehr zu beschleunigen.

»Aber der Schatz,« sagte Van Broon, keineswegs gesonnen, das jetzt soweit ausgeführte Wagestück ohne einigen persönlichen Nutzen zu beenden.

»Auf unserem Weg zum Boot passiren wir den Platz,« erwiederte Dumfry – »und nun rasch. Gentlemen, der größte Theil, ja der einzig gefährliche unseres ganzen Marsches ist beendet, jetzt gilt es einfach noch eine kurze Strecke Weges zurückzulegen, und ehe jene düsteren Nebelstreifen im Stande sein werden auch nur mit ihren äußersten Spitzen die Sonne zu erreichen, hoff' ich, schaukeln wir wieder auf den stillen Wassern der Bai und Freund Tomson mag uns dann so sicher zurück nach Port Jackson führen, als er uns hierher gebracht.«

Und ohne weiter eine Antwort seiner beiden Begleiter abzuwarten, sprang er flüchtig an den vorragenden Felsenspitzen nieder, die, fast wie durch Menschenhand ausgeführt, die einzigen Haltpunkte an einer wohl zwanzig Fuß hohen Felsenwand für Fuß oder Hand boten. Tomson folgte ihm ebenso rasch; viel schwerer wurde es aber dem an solche Bahn keineswegs gewöhnten Buchhalter, und nur mühsam war er im Stande, seinen um so Vieles gewandteren Gefährten zu folgen. An solches Bergeklettern aber nicht gewohnt, und mit, durch zu vieles Sitzen versteiften Gliedern, verlor er bald seinen Fußhalt, fing an auszurutschen, fiel, klammerte sich wieder fest, mußte, durch sein eigenes Gewicht gedrängt, noch einmal loslassen, und polterte endlich, Flaschen und Proviant von sich schleudernd, und die bis dahin so sorgsam bewahrten Provisionen nach allen Richtungen hinausstreuend, über rauhes, schroff ablagerndes Felsgestein wimmernd nieder, bis er, von einer jungen Farrenpalme angehalten, hängen blieb, und nun verzweiflungsvoll die Bahn zurückblickte, die er eben so unfreiwillig rasch herniedergerasselt war.

Oben aber, aus dem kleinen Lianendickicht, das auf dem Felskegel wucherte, kroch vorsichtig und geräuschlos eine dunkle tättowirte Gestalt, glitt bis zu dem Felsrand hin, wo noch leise rollender Kies die Stelle verrieth, welche die Männer eben zurückgelegt, und beobachtete hier, von niederem Mooswuchs und einzelnen Farrenkräutern verdeckt, mit den aus dem narbigen Gesicht unheimlich vorfunkelnden Augen die Bewegungen der Fremden, von denen Tomson und Dumfry erst zu dem Gefallenen traten und dann, als sie sahen, daß dieser selbst keinen weiteren Schaden genommen, und noch stehen und gehen konnte, in den östlich gelegenen Büschen mit ihm verschwanden.

Der Indianer blieb wohl eine Viertelstunde lang regungslos in seinem Verstecke liegen, und erst dann, als er sich fest davon überzeugt haben mochte, daß die Fremden den Platz auch wirklich verlassen hätten, erschien seine Gestalt plötzlich am Rande des Abhanges. Blitzesschnell glitt er hinab, wich aber, unten angelangt, den Spuren der Weißen in einem weiten Bogen aus – er vermied die Stelle, wo die zersplitterten Glasflaschen lagen – und nahm erst dort die Fährte wieder auf, wo die Fremden, dem felsigen Bette eines vertrockneten Baches folgend, in den Wald eingedrungen waren.