Ned wußte das Alles, und baute darauf seinen Plan, der in nichts Geringerem bestand, als noch vor dem Essen die Mannschaft des Kasuar dahin zu bringen, das an Bord liegende Canoe selbst mit in See zu heben, und es auch dorten die Mittagszeit hindurch zu lassen.
Nicht weit von dort wo er lag, standen nämlich dicht am Steuerrad zwei grünlackirte Eimer, die den Namen des Schooners trugen, und mit theils dem »Capitän«, theils dem Zimmermann gehörige Wäsche angefüllt waren. Ned, der nie eine Gelegenheit vorbeigehen ließ, Geld zu verdienen, da er recht gut wußte, daß er Geld sowohl zum Fliehen, als auch zum späteren Fortkommen nothwendig haben müsse, hatte es auch hier an Bord für eine mäßige Vergütung übernommen, die Wäsche dieser beiden »Offiziere« in Ordnung zu halten, und dorthin begab er sich jetzt, als ihn der Ire eine Zeitlang verlassen, und er sich von sonst keinem weiter beachtet wußte.
Neben den beiden, bis zum Rande mit Seewasser angefüllten Eimern stellte er jetzt noch einen leeren dritten, nahm dann aus den ersten einen Theil der Hemden, rang sie trocken aus, füllte damit den letztgebrachten Eimer mehr als halbvoll, hob ihn auf die, nicht eben hohe Verschanzung und goß nachher aus den anderen das gebrauchte Seewasser über Bord.
»Du wirst den Eimer hinunterfallen lassen Ned,« rief ihm der Kajütenjunge zu, der eben die Treppe niedersteigen wollte – »wenn's ein Bischen schwankt, liegt er drüben, und 's ist nicht einmal ein Tau dran.«
»Kümmere Du Dich um Deinen Kram,« brummte der Sträfling, warf der schlanken, lachend niedertauchenden Gestalt einen giftigen Blick nach und fuhr in seiner Arbeit fort; sein Blick aber schweifte oft rasch nach dem Bug des Schooners hinüber, wo Bill nachlässig an der Ankerwinde lehnte, und anscheinend halb im Schlaf nur dann und wann einmal nach dem Koch hinüberblinzte. Da kam dieser mit den hölzernen Schaalen aus dem Vorcastle herauf, und der Ire stand auf, trat an die Bulwarks und stützte sich mit dem Ellbogen auf den einen dort festgeschnürten Anker – jetzt hob er sich etwas empor und schützte mit vorgehaltener Hand seine Augen gegen das Sonnenlicht. Am fernen Horizont waren indessen in der That mehrere kleine weiße Punkte sichtbar geworden, doch achteten die übrigen Matrosen nicht darauf, denn einestheils brauchten sie hier in der Gegend keine Seeräuber zu fürchten, und dann nahm auch wirklich in diesem Augenblick der Koch ihre ganze Aufmerksamkeit viel zu sehr in Anspruch, um gerade jetzt auf irgend etwas Anderes zu denken.
Ein kleiner Büschel Werg – Ueberbleibsel eines zerzupften Taues – lag dicht neben Ned an Deck; dieser hob ihn auf, warf ihn über Bord und folgte ihm mit den Augen. Das Werg trieb, durch die Strömung getragen, langsam am Riff hinauf, und der Sträfling lächelte still vergnügt in sich hinein, denn gerade dort wurde jetzt die hohe, dicke Rückenflosse eines Hai sichtbar, der sich in dem schäumenden Rauschen der Untiefe zu sonnen schien, als er sich aber wieder nach seiner Arbeit umwandte, sah er, wie der Zimmermann aufgestanden war und gerade auf ihn zukam. Blieb der in seiner Nähe, so wurde die Ausführung des erdachten Planes zur Unmöglichkeit.
»Gift und Tod!« knirrschte der Sidneyer wild in sich hinein, »hat denn dieser vermaledeite Schuft von Koch« –
»Segel ahoi!« rief plötzlich der Ire am Bug des Schooners, und der Zimmermann wandte sich, erstaunter über den Ruf als das Segel selbst, nach jenem um, Ned aber trat rasch gegen die Bulwarks an und stieß hier den, nur leicht auf den Bord gestellten Eimer in See.
»Seht Ihr – hab ich's nicht gesagt?« schrie da der Kajütenjunge, der eben wieder an Deck kam, und jetzt vor die Verschanzung sprang, um hinüber zu sehen, – »ei Du lieber Gott, da schwimmen ja des Zimmermanns Hemden mit fort, na der wird schön schimpfen – jetzt kann Tom wieder hinterherschwimmen.« Und als ob sich das von selbst verstünde, warf er seine Jacke ab und wollte eben ohne Weiteres in See springen, den langsam dahintreibenden Wäscheimer zurückzubringen.
Das vertrug sich aber keineswegs, mit Ned's Plane, der dadurch vernichtet worden wäre.