Mr. Metcamp war wirklich flüchtigen Fußes förmlich davon gelaufen, der Brief aber, den er zu der Zeit am Washita erhalten hatte, mußte jedenfalls gefälscht gewesen sein, denn noch in demselben Monat hörten sie von einem Reisenden daß Metcamps Onkel, etwa vier Wochen vorher ehe dieser zum Washita gegangen, total bankerott gemacht habe und der vermeintliche Erbe noch schlimmer als ein Bettler sei, da er sogar rasend in Schulden stecke. Die reiche Farmerstochter hatte er dabei leicht zu gewinnen geglaubt, und auch natürlich alles Mögliche gethan, seinem, ihm allerdings gefährlichen Nebenbuhler den Besitz des Mädchens unmöglich zu machen.

Daß er es gewesen der damals den gefangenen Wolf befreit, ließ sich ebenfalls immer weniger verkennen, wenigstens sprach man die Ansicht kurze Zeit darauf ganz offen in der Ansiedlung aus; und daß sich der alte Sutton nach alle dem Vorangegangenen schämte, den beabsichtigten Schwiegersohn aus der Stadt auch nur noch einmal zu erwähnen, versteht sich wohl von selbst.

Es sind jetzt seit der Zeit zehn volle Jahre verflossen, und Farmer Sutton schläft in seinem eigenen Garten still und ruhig unter dem grünen blumigen Rasen, Ben Holik aber hat das unstäte Jägerleben aufgegeben, ist ein ordentlicher Farmer worden und lebt mit seinem lieben Weib, seiner Betsy, und den drei Jungen und zwei Mädchen die sie ihm in ihrer neunjährigen Ehe geboren, so glücklich und zufrieden, wie nur ein Mensch in der weiten Gotteswelt leben kann. Seine Heerden haben sich dabei ungemein vermehrt, denn die Wölfe trieb der mit der Glocke Behangene richtig hinaus aus der ganzen Nachbarschaft, und seine Felder hat er ebenfalls um viele fruchtbare Aecker erweitert; dort aber, wo er den Wolf damals lebendig gefangen, baute er sich auf der luftigen Bergkuppe ein kleines Haus und nannte es, zum Gedächtniß jenes glücklichen Abends – die Wolfsglocke.

Die Ahnung.
Nach einer wahren Begebenheit.

Draußen über die Haide tobte und wetterte der Sturm, heulte durch die blattlosen Baumwipfel der Eichen, und zischte und flüsterte in den dichten Nadeln des benachbarten Schwarzholzes. Der Mond war hinter schweren Wolken verschwunden, trüb und düster lag die Nacht auf der Erde und der Orkan, der sich von den Geistern der Luft die tollen Weisen aufspielen ließ, raste mit der Windsbraut über den weiten Plan, durch Bergesschlucht und einsames Thal, und über die starren, drohenden Felsenkämme der trotzig ihm die Stirn bietenden Gebirgsrücken hin.

So, draußen im Freien – aber fast noch tolleres Spiel trieb er um die Wohnungen der schüchtern zusammengedrängten Menschen. Hui! – wie das um die Giebel pfiff und splitterte, wie die Windfahne auf dem alten Pastorhause kreischte und knarrte, daß selbst der hoch und altergrau daneben aufstarrende Schornstein den Lärmen endlich satt bekam, und bald links in den dunkeln Hof, bald rechts in den feuchten Garten hinunter sah, als ob er nur noch nicht recht wisse, in welchen von beiden er zuerst kopfüber hinein springen solle. Wie's an den alten morschen Fensterrahmen riß und klapperte, und seine Kraft an den breitästigen Birn- und Aepfelbäumen versuchte, die schon so lange Jahre dem Sturme getrotzt und sich jetzt, bei den erneuten Angriffen, nur noch immer fester und hartnäckiger mit den weitgespreizten Wurzeln in die Erde hineinklammerten.

Viele viele Stunden lang trieb er's so, und vergebens hatten die wetterschwangeren Wolken schon oft versucht, sich in einzelnen Fluthengüssen zu erleichtern, wie es wohl ein bedrängtes Schiff thut, das seinen Ballast über Bord wirft, die leewärts drohende Küste zu verlassen; der wachsende Orkan schleuderte ihnen stets neue wasserschwere Nebelberge entgegen, und jagte die zürnenden wild und toll durch einander in entsetzlicher Fröhlichkeit.

Bei solchem Wetter, wo die Natur in ihrer ganzen großartigen Furchtbarkeit ersteht, drängen sich die armen schwachen Menschenkinder am liebsten in freundlicher Traulichkeit zusammen, und von sicheren Wänden geschützt, unter Dach und Fach, dem brausenden Nord wie dem kalten Regen entzogen, lauschen sie nur manchmal in ängstlicher Stille zum Fenster hinüber, wenn der Sturm einen neuen Akord in seine dröhnende Aeolsharfe greift, und das feste Gebäude vielleicht vor dem markdurchschauernden Ton bis in seine innerste Tiefe hinein erbeben macht.

So still und traulich war's auch im kleinen behaglichen Studirzimmerchen des wackern Pastor Barrenkamp, der mit seiner Frau, dem Schulmeister, einem Universitätsfreund des Pastors, und dem Rittergutsverwalter, einem alten wettergebräunten Oekonomen, um den schweren eichenen Tisch saß und bei einer guten Tasse Warmbier das Unwetter draußen so wenig als möglich zu beachten schien. Nur manchmal, wenn der Wind die Backen ein bischen gar zu voll genommen und irgend ein krachender Stamm des dicht an den Garten grenzenden Waldes seine gewaltige Kraft verrieth, stand Barrenkamp wohl auf, ging an's Fenster, schob den Vorhang zurück, nahm die Pfeife einen Augenblick aus dem Munde, und schaute, das schwarze Sammetkäppchen fest an die kalte behauchte Scheibe gedrückt, in die rabenfinstere Nacht hinaus.

Es war während einer solchen Pause, denn das Gespräch stockte in dem Fall gewöhnlich auf einige Minuten und die kleine Gesellschaft horchte ebenfalls nach dem Kampf der aufgeregten Elemente hinüber, als der Verwalter langsam seine ausgetrunkene Tasse niedersetzte und mit leiser, fast ängstlicher Stimme sagte: