Anders, aber nicht etwa besser steht es dafür mit Denen, die in den Städten kleben bleiben und nun dem Endzweck der Amerikaner huldigen und Geld, nur immer Geld zu verdienen suchen, während ihnen das Wie dabei als eine nicht zu beachtende Nebensache erscheint.

Du kannst im Großen nichts verrichten,

Und fängst es nun im Kleinen an.

Zu dem Großen fehlen ihnen die Mittel, fehlt ihnen der Geist – von klein auf krämern sie sich nach und nach hinauf. Stege, die der Amerikaner ihres Schmutzes wegen nicht einschlagen will, benutzen sie mit Freuden, und haben sie endlich ihr Ziel erreicht – ist es ihnen gelungen ein kleines Vermögen zu erwerben, das sie unabhängig dastehen läßt, dann kriecht aus der Puppe der gemeinen Raupe ein Zwitter-Unding von Amerikaner und Deutschem hervor – ein Wesen, das nur englisch radebrecht, und von seinen Landsleuten mit vornehmen Nasenrümpfen sagt: it is only a Dutchman (es ist nur ein Deutscher) – und zwar Dutchman noch im allerverächtlichsten Sinn gebraucht.

Die Galle läuft einem ordentlichen Kerl über, wenn er solch Pack sieht, und dann fühlt, daß Jene nur ihre eigene Gemeinheit vor einer so reichlich verdienten Züchtigung schützt.

Auch unter diesen giebt es allerdings eine bessere Klasse, aber sie ist selten; der gebildete Deutsche zieht es – wunderlicher Weise – fast stets vor, sich lieber durch Handarbeit eine Zeitlang fortzuhelfen, bis er Sprache und Sitten des Landes erlernt hat, und wenn er dann mit dem Lande selbst vertraut wird, wenn er die Achse findet, um die sich Alles dreht, und sich nun selber fragt: Weshalb bist Du denn eigentlich nach Amerika gekommen? weshalb hast Du Freunde und Verwandte, weshalb Alles Das verlassen, was Dir einst lieb und theuer war? dann gesteht er sich wohl meistens selber ein: es war jener, vielleicht noch unbewußte Drang nach Freiheit – ein Gefühl, das, wenn auch ungeweckt, in seiner Brust geschlummert, und hinein zieht er nun in den freien, fröhlichen Wald, und als freier Farmer der Vereinigten Staaten verdient er sich sein Brod, zwar im Schweiße seines Angesichts, aber er steht auch selbstständig und unabhängig da, ein souverainer Fürst auf seinem eigenen kleinen Fürstenthum.

Zwei Krankheiten sind es übrigens, denen der Deutsche, denen überhaupt der Auswanderer nach Amerika fast stets anheimfällt – zwei Krankheiten, die, eigentlich sehr von einander verschieden, doch auch wieder einzelne Aehnlichkeit mit einander haben; sie heißen: Seekrankheit und Heimweh.

Die Seekrankheit betrifft allerdings nur hauptsächlich den Körper, das Heimweh dagegen den Geist; das heißt: die eine kommt aus dem Magen, die andere aus dem Herzen – beide sind aber die fast unausbleiblichen Folgen einer transatlantischen Fahrt und ähneln sich auch darin, daß sie manchmal ihr Opfer nur im Anfang, nur in den ersten Tagen mit beiden Fäusten anpacken und recht ordentlich, so recht aus Leibeskräften durchschütteln, es aber dafür auch später ungeschoren lassen, oder – was viel, viel schlimmer ist – leise auftreten und bei jeder neuen Woge, bei jedem etwas stürmischen Meer, wieder- und immer wiederkehren und Herz und Magen gleich stark zur Verzweiflung bringen. Beides sind Krankheiten, die kein Arzt zu curiren im Stande ist, die aber beide, die eine durch jedes feste Land, die andere nur durch den heimischen Boden, augenblicklich gehoben werden, und sonderbarer Weise sich auch nach wiederholter Ursache, d. h. nach wiederholter Seereise oder Trennung vom Vaterlande, selten und nur in außerordentlichen Fällen zum zweiten Male einstellen.

Zwar hat man für das Heimweh allerlei probate Mittel empfohlen, wie z. B. stete Aufregung, ein rastloses Suchen von Geschäften, Reisen, überhaupt Zerstreuung, und das hilft auch für die Zeit vielleicht, in der wir uns zerstreuen; Augenblicke der Ruhe müssen aber kommen und dann – ach selbst die Erinnerung an die ist schmerzlich.

Auch für die Seekrankheit hat man in neuerer Zeit etwas – ein Vomitiv gleich zu Anfang genommen – als von ausgezeichneter Wirkung empfohlen, das ist aber etwa eben so, als ob mich beim Arbeiten das Wagenrasseln auf der Straße störte und ich mir nun ein paar nimmer rastende Trommelschläger vor die Thüre bestellte, damit ich jenes nicht mehr höre. Nein, Heimweh wie Seekrankheit will austoben und beiden muß man daher seinen ruhigen Lauf auch ruhig lassen.