»Es ist zu spät!« sagte er eintönig, als er mit starrem Blick auf den unglücklichen Knaben niedersah, »sie werden hier sein, ehe wir im Stande sind, auch nur einen vernünftigen Rettungsplan zu ersinnen, viel weniger auszuführen.«

»Wenn er sich nun draußen im Walde versteckte?« frug schüchtern Sally, »ich will ihm ja recht gern Speise und Trank bringen; morgen früh gelingt es dann vielleicht, dem Armen zu helfen.«

»Nein, das ist unmöglich, die Hunde würden ihn dort nicht unbeachtet lassen; überdieß bringen die Fremden, wenn es seine Verfolger wirklich sind, auch auf jeden Fall ihre Rüden mit, und dann wäre seine Entdeckung unvermeidlich. Ich begreife ohnedem nicht, wie ihn meine eigenen Bärenfänger so unbelästigt hereingelassen haben.«

»So verbirg ihn dort zwischen unsern Betten!« sagte Sally plötzlich, »dort mag er liegen, bis sich irgend ein Ausweg für ihn gefunden hat, und wenn es bis morgen früh wäre.«

»Das ist das Einzige; Höll' und Teufel, Pitt wird ungeduldig da drüben, ich muß ihn holen; so versteckt ihn denn schnell, und möge Gott geben daß er dort unentdeckt bleibt, sonst ist mein guter Name für Missouri dahin, und ich muß selbst der Rache seiner Bürger entfliehen.«

Tief aufseufzend verließ er die Hütte, seinen heute so unwillkommenen Gast herein zu holen, während die Frauen indessen ein ziemlich weiches Lager für den armen Gemißhandelten bereiteten und es, zwischen den Betten und durch einen mit Kleider überhangenen Stuhl, so verdeckten, daß, wenn nicht eine wirkliche und hier keineswegs zu befürchtende Haussuchung Statt fand, sein Lager von den in der Hütte befindlichen Personen sicherlich nicht gesehen werden konnte, da sich auch schon ohnedieß keiner der Amerikaner neugierig einer Stelle zugedrängt hätte, die der »Damen-Schlafplatz« war.

Bald darauf erreichte der späte Besuch den kleinen, vor dem Hause befindlichen, offenen Platz, sprach dort einige Worte, seines Pferdes wegen, mit Draper, und betrat dann, schon von draußen den Frauen einen guten und freundlichen Abend hereinrufend, das Innere des jetzt durch ein selbstgegossenes Licht erhellten Raumes.

Mr. Pitt war ein kleines, wohlbeleibtes Männchen, mit so blonden Haaren, daß er sie oft selbst im Scherz »Isabellfarben« nannte, dazu mit großen blaugrauen Augen und gewöhnlich in einen Pfeffer- und Salz-farbenen Oberrock eingeknöpft. So gemüthlich er aber auch sonst in manchen Sachen sein mochte, so viel er selbst auf sein Vieh, auf seine Pferde und Rinder hielt, die er sich nie überarbeiten ließ, so sehr haßte er die Neger, und behandelte seine eigenen Sclaven, wenn er sie auch gut »fütterte,« wie er es nannte, stets mit der größten Verachtung. Die Sclaven der ganzen Nachbarschaft fürchteten ihn auch ungemein, haßten ihn aber wohl noch mehr und nannten ihn überall nur den »Niggerfresser.«

Und doch war dieser Mann ein ganz guter Bürger, ehrlich und rechtschaffen in all seinem Thun und Handeln, und hatte sich, einzig und allein durch eigenen Fleiß, ein gar nicht unbedeutendes Vermögen erworben.

Seinem Ehrgeiz war übrigens dadurch Genüge geschehen, daß ihn sein »Township« zum Friedensrichter, und zwar damals noch ernannt hatte, als die Aufregung für General Harrison selbst bis in den fernen Westen drang; er rühmte sich auch seines eifrigen Whigthums und schwärmte natürlich für Henry Clay, und besonders für Frelinghuysen, der, seiner Aussage nach, der frömmste Mann der Welt sei und eher verdiente, Präsident, als nur Vicepräsident zu werden.