Hinter seinem Rücken glitt eine, in einen braunen Ueberrock gehüllte Gestalt, den schwarzen Filz tief in die Augen gedrückt, zur Thüre hinaus, strich um die nächste, der entgegengesetzten Ecke, wo sich die Hunde befanden, und verschwand in der Finsterniß hinter dem Gebäude. Draper folgte ihr hinaus vor die Thüre.

»So, Sir, jetzt nur dahin; ah, das ist recht, es ist Ihnen wohl sehr sauer geworden?« sagte mit mitleidigem Tone das schöne Mädchen, und es war ihr in diesem Augenblick, als ob sich eine Centnerlast von ihrer Brust wälze.

»O bewahre, bewahre,« erwiederte der galante Richter und benutzte augenblicklich die nun freigewordenen Hände, sein Taschentuch hervorzuholen und sich die tropfende Stirn damit abzutrocknen; »nicht mehr als gern geschehen, das Feuer meint's übrigens gut – blitzmäßig heiß. – Wo bleiben denn aber nur die Jäger? aha, können auch nicht durch die Baumwildniß vor dem Haus, das geschieht ihnen recht, warum reiten sie nicht herum, bis sie einen Eingang finden; habe mir auch meinen Weg suchen müssen.«

Draper stand indessen vor der Thüre seiner Wohnung und starrte in die dunkle Nacht hinein, von drüben her schallten die Stimmen seiner Nachbarn, die fluchend und lachend herüberschrieen, daß er ihnen den geheimen Pfad zum warmen Heerde zeigen möchte, und hinter dem Hause raschelte es in den Zweigen und er vernahm leises Flüstern. Schnell schritt er diesem zu. Hennigs stand vor dem Neger, der seine Hand erfaßt hatte und sie trotz dem Sträuben des jungen Mannes inbrünstig an die Lippen drückte. Der arme Knabe konnte vor Schluchzen kaum reden und wollte sich immer wieder zu den Füßen seines Retters niederwerfen.

»Unsinn,« sagte dieser und schob ihn von sich, »mach jetzt schnell, daß Du fortkommst, sonst wird's zu spät; meine Adresse hast Du, das Pferd schickst Du mir nach St. Louis zurück.«

»Euer Pferd?« frug Draper schnell.

»Er kann nicht anders fort!« flüsterte Jener. »Doch nun schnell, sonst wird's beim ewigen Gott zu spät! Kannst Du reiten?«

»Den wildesten Hengst, der je einen Reiter abwarf,« lautete die Antwort.

»Desto besser, Du hast's vielleicht nöthig, aber – schone mir das kleine Thier, wenn's irgend geht; es ist ein so gutes Poney wie eins in den Staaten und – mein einziges; aber alle Teufel, da kommen die Reiter herum; Pest und Gift, wir haben so lange gezögert, bis sie uns auf dem Kragen sitzen. Was nun thun? Willst Du jetzt fort, so müssen sie Dir begegnen; der einzige Ausweg hier ist kaum dreißig Schritte breit.«

Der Neger stand wenige Secunden lauschend still, doch das immer näher kommende Galloppiren der Hufe ließ keinen Zweifel mehr übrig; was geschehen sollte, mußte schnell geschehen, und mit kühnem Sprunge schwang sich der Sohn Afrika's in den Sattel, winkte noch einmal mit der Hand und preßte die Flanken des kleinen, ungeduldig stampfenden Poney's. Im nächsten Augenblick überflog es einen vor ihm liegenden umgestürzten Futtertrog und wollte eben in den schmalen Pfad einlenken, der von hier aus allein durch das Gewirr von Aesten und Zweigen führte, als von dorther ein lauter Jubelruf drang und gleich darauf ein in ein helles Jagdhemd gekleideter Reiter erschien.