In der Nacht mochte er freilich den Ort nicht stören, deshalb ging er jetzt geradenwegs zu seinem Lagerplatz, den er sich, bis er sein Ziel erreicht, in den Bergen aufgeschlagen, entzündete dort sein Feuer wieder, verzehrte sein einfaches Abendbrod, rollte sich in seine Decke, und war bald sanft und süß, jeder weiteren Anstrengung für diese Nacht entsagend, eingeschlafen.
Am Morgen bedurfte er des Hahnenschreis nicht, munter zu werden, so wie der »Whip poor will« seine ersten klagenden Laute wieder hören ließ, sprang er auf, kochte seinen Kaffee, den jeder Jäger gebrannt und gemahlen in einem Leinwand- oder Ledersäckchen bei sich führt, und erwartet nun ungeduldig den ersten matten Dämmerschein der sich im Osten zeigen würde.
Endlich, endlich kam das diesmal so heiß ersehnte Licht, mit dem sich der Wolf jedesmal wieder in seine bestimmten und gewöhnlich unzugänglichen Schlupfwinkel zurückzieht – und vorsichtig, dürre Aeste und brechendes Holz meidend, damit das Geräusch nicht etwa noch in der Nähe weilende Bestien aufscheuche, kroch er in der That mehr als er ging, dem Felsen zu der ihm zur hohen Warte diente.
Jetzt hatte er ihn erreicht – jetzt konnte er den flachen, eben von grauem Licht kalt durchgossenen Fleck überschauen – beim Himmel, der ungewisse Schein mußte ihn täuschen – er vermochte das aufgestellte Dach der Falle nicht mehr zu erkennen. – War sie – war sie niedergeschlagen?
Das Herz schlug ihm in fieberhafter Ungeduld, und gewaltsam fast bezwang er sich den heller heraufbrechenden Morgen abzuwarten, ehe er seine Fährte dem Thalgrunde einpresse.
Aber lange hielt er es so nicht aus; weder Ruh noch Rast ließ ihm die Ungeduld und jemehr er jetzt den Blick anspannte die Gegenstände unter sich zu erkennen, desto deutlicher wurde ihm die Thatsache, und der Zweifel endlich zur Gewißheit. – Die Falle war wirklich zugeschlagen und es mußte also ein Wolf in ihr stecken, denn die Kühe, die manchmal auch sehr zum Aerger des Jägers und ihrem eignen Schrecken die Stützen umstoßen, kamen gar nicht in dies felsige grasleere Thal hinunter.
»Betsy!« das war der einzige Laut, den er, sich selbst vielleicht unbewußt, ausstieß, als er mit flüchtigen Füßen den Thalgrund hinab und der Stelle zuflog, wo im Schatten dichter Sassafras und Spicebüsche, gar schlau in einen wilden Haufen des dort von dem manchmal reißend geschwollenen Bergstrom hingeschwemmten Holzes hineingestellt, und von dem klar vorbeisprudelnden Wasser bespühlt, die Falle stand.
»Hurrah!« er konnte sich nicht helfen, er mußte seinem Jubel wenigstens in einem recht herzlichen, recht aus tiefster innerster Seele kommenden Aufschrei Luft machen. – Und er hatte auch wahrlich Ursache darüber zu jauchzen, denn in der Falle saß, scheu und verschämt, als ob er sich genirte, bei dem heller und heller heraufdämmernden Tageslicht hier noch ertappt zu sein, ein prachtvoller rabenschwarzer männlicher Wolf, und die Augen funkelten dunkelglühend, zwischen den wohl eine Hand breit auseinanderliegenden Stämmen nach dem grimmsten Feind durch, dem er in diesem Theile des Waldes hätte in die Hände fallen können – dem jungen Jägersmann entgegen.
»Siehst Du, Bestie, sagte aber der, so habe ich Dir endlich das Handwerk gelegt, Du alter grauer Sünder – wirst die andern wohl gestern von der gefundenen und so vortrefflich geglaubten Beute weggebissen haben, und sitzest jetzt in der beneidenswerthesten Lage von der Welt hinter Glas und Rahmen. Nun warte nur, Dir ist noch weit besserer Spaß aufbewahrt. An's Leben geht es Dir diesmal allerdings nicht gleich, wenn Du aber nur erst einmal mit der Glocke um den Hals spazieren läufst, wirst Du schon finden was es heißt in Ben Holiks Hände gerathen zu sein!«
Der Wolf fletschte, als er sich nach der Falle hinunter bog, ingrimmig die Zähne gegen ihn, behauptete aber seinen Platz und schien, wie ein ärgerlicher Hund nur einen Angriff zu erwarten, um gleich zufahren zu können. Ben dachte aber gar nicht daran ihn weiter zu reizen, sah nur noch einmal lächelnd nach ihm zurück und rief: