Was denn endlich den vielen Mißwachs der Ernten betraf, so erzeugte die Erde selbst in ihrem Inneren Mittel gegen diese Uebelstände, denn sie trug und trägt ja in sich selbst den Keim, das Alles zu verbessern und zu seinem höchsten Grad der Vollkommenheit zu führen. Nun frug es sich nur, wie es möglich sei, dies den Menschen selbst bekannt zu machen, und auf welche Art es sich hoffen ließ von ihnen verstanden zu werden?
Durch eine feurige Schrift am Himmel? – Die Freigeister und Professoren hätten eine solche als etwas Natürliches erklärt und die Theologen ihr eine ganz andere Auslegung gegeben. Durch eine Stimme von oben? – Das war erstens schon dagewesen und dann würden auch die Leute höchstens gesagt haben: »Heute hat es doch einmal gedonnert daß man ordentlich Worte verstehen konnte.« – Es war zum Verzweifeln.
Da beschloß denn Gott Vater, aus unendlicher Liebe für das Menschengeschlecht, ein Buch über die zu verbessernden Verhältnisse, und besonders über Ackerbau und Viehzucht, für welche beiden Zweige er sich vorzugsweise interessirte, zu schreiben und damit selbst auf die Erde hinabzusteigen.
Zeit hatte er ja für den Augenblick: die Welt lief im Allgemeinen in ihren ewigen Kreisen ruhig fort, und wenn ihm nicht manchmal ein Komet durchbrannte und einen Schweif roher Gesellen auf den Hacken, mit offenen Laternen und Pechfakeln die stillen Straßen des Firmaments auf staatsgefährliche Weise durchtobte, so war keine Unordnung zu fürchten. Doch auch selbst hierüber hatten ihn die Berechnungen der besten Astronomen beruhigt, die ja die Erscheinung des nächsten noch bis auf x Jahre hinausgeschoben.
Sein Plan ward also, kaum gewollt, auch schon ausgeführt. Mit Gedankenschnelle flogen die Zeilen mit der Enthüllung jener göttlichen, uns noch unbekannten Urkräfte des Erdkörpers auf das Papier nieder, und wenn sich der liebe Gott auch, seit er damals die zehn Gebote entworfen, nicht mehr mit literarischen Arbeiten beschäftigt hatte, so ging die Sache doch verhältnißmäßig ungemein schnell.
Das geschehen, rauschte er, die Liebe für seine oft unfolgsamen Kinder im treuen Vaterherzen, auf unsere schöne Erde hernieder, um einen Verleger für sein Werk zu suchen und stieg, wie sich das von selbst versteht, in Leipzig und zwar im ersten Gasthof daselbst ab.
Um aber jedes Aufsehen zu vermeiden, mußte er natürlich die Gestalt des Menschen – die edle schöne Gestalt des Mannes, wie er ihn früher nach seinem eigenen Bilde erschaffen, annehmen, und kleidete sich zwar sehr einfach, aber doch nach der gerade bestehenden Mode. Vor dem Hotel hielten mehrere Droschken und eine derselben brachte ihn denn auch bald zu dem Buchhändler Schmerz, bei dem er ohne weitere Umstände eintrat und ihm, nach wenigen einleitenden Worten, sein fertiges Manuscript anbot.
Herr Schmerz – ein langer hagerer Mann, mit tiefliegenden, dunkeln Augen, nöthigte ihn sehr artig zum Sitzen, las dann den Titel des Manuscripts und frug, sich leicht gegen den Fremden verneigend:
»Mit wem hab' ich die Ehre?«
Das war nun allerdings eine sehr natürliche Frage; jeder Buchhändler wünscht doch zu wissen, mit wem er es zu thun bekommt. Dem lieben Gott kam sie aber nichts desto weniger unerwartet, denn er durfte dem Manne doch nicht sagen wer er sei; Herr Schmerz hätte ihm das auch im Leben nicht geglaubt. Er faßte sich also kurz und antwortete, indem er, um nicht unartig zu scheinen die Verbeugung erwiederte: