Das alte Missionsgebäude selber ist in einem großen Viereck errichtet und umschließt einen weiten etwa 80 Schritt langen und 60 Schritt breiten Hofraum. Außerdem lagen noch drei kleine Straßen mit niederen einstöckigen Häusern darum her, in denen früher theils Altmexicaner, von dem Süden eingewandert, oder auch hier Geborene, wie einzelne civilisirte Indianer ihren Wohnort hatten. Zwischen diese hineingedrängt haben sich aber jetzt Amerikaner, Engländer, Iren, Deutsche und Franzosen, und wie zum Spott, selbst der alten christlichen Mission gerade gegenüber, schlagen heidnische Chinesen, vom christlichen Gesetz beschützt, ihre Wohnungen auf, und Angesichts der alten ehrwürdigen lebensmüden Kirche dampfen die Weihrauchbüchsen der Zopfträger vor den Bildern und Figuren ihrer Lieblingsgötzen.
Von allen Theilen der Welt sind dabei fertige Häuser hierherüber gesandt, ein- und zwei- und dreistöckige, mit und ohne Schindeln und in jeder Form und Bauart, und wie sich die Europäer und Amerikaner zwischen die alten Ureinwohner hier eindrängten, so steigen die wunderlichen Formen ihrer Häuser ebenfalls zwischen den altergrauen niederen Steingebäuden auf, nehmen ihren jetzigen Nachbarn, den früheren Besitzern, Licht, Aussicht und Sonne, und kümmern sich den Henker um seine Fest- und Feiertage, um seine Sitten und Gewohnheiten.
Der Haß der Californier gegen die Amerikaner ist aber auch groß und rührt sich desto gewaltiger, je mehr sie eben fühlen und sehen, wie sie nicht das Mindeste gegen die sie überflutende Einwanderung ausrichten können. Die Amerikaner sind nicht in ihr Land gekommen wie andere Eroberer, haben die Regierung gestürzt und ihre eignen Beamten eingesetzt, nein Regierung, Land, Religion, Sitten, ja Raum zum Athmen wurde ihnen mit einem Ansprung genommen, und das Messer dabei in die Scheide genietet, daß die Hand es fassen, aber nicht ziehen konnte, sondern nur krampfhaft und zornentbrannt, aber vollkommen machtlos den Griff preßte. Dieser Haß kann und wird auch erst mit der jetzigen Generation aussterben — die Enkel werden nichts mehr davon wissen.
Noch stand im Frühjahr von 1850 das alte graue Missionsgebäude, wenn auch Amerikaner und Iren schon Branntweinschenken selbst in seine Weichen gebohrt hatten und der Schaden weiter und weiter fraß. Hie und da waren freilich schon die Anfänge neuer fremder Wohnungen sichtbar, aber im Ganzen herrschte doch noch der alte Charakter. Noch lebten die Fremden vereinzelt zwischen den Spaniern, noch lagen die Sandberge zwischen der Mission und der Stadt.
Wenige Wochen rissen Berge und Missionsleben über den Haufen — schon mit dem Beginne der sogenannten plank road oder Bretstraße begannen Speculanten Häuser aufzubauen und sie wieder zu verkaufen, ehe Prozesse wegen des Grundeigenthums eingereicht oder entschieden werden konnten. Die Mission, wenn auch die alten Wände der Kirche in diesem Augenblicke vielleicht noch stehen, ist verschwunden, und nur der Name wird in späterer Zeit einer der Vorstädte San Franciscos bleiben.
Aber reizend ist die Aussicht von den flachen Hügeln des einst so stillen friedlichen Platzes über die schöne Bai. Die „frommen Mönche“ in alter Zeit wußten wol, wie und wo sie sich ihre Wohnplätze am hübschesten und freundlichsten aussuchten — und ich kann es ihnen eigentlich nicht verdenken. Im Rücken hatten sie die ziemlich hohen Küstenberge, welche die Mission eben von der See trennte und in etwas wenigstens den kalten Nordwestwind abhielt, der Nachmittags in den Sommermonaten von der See gar kalt und rauh herüberweht, und vorn breitet sich in einem wundervollen Panorama das freundliche Missionsthal mit der Bai von San Francisco und der Contra coast aus.
Den Hintergrund des ganzen Gemäldes bildet eben diese Gebirgsreihe, die Contra coast genannt, weil sie den Einschiffenden gerade gegenüber lag, und das kleine Wäldchen wahrhaft riesiger Cedern oder Lebensbäume, das oben auf dem Hügelrücken steht — über den nur eben die fern gelegene Kappe des weit höhern Berges „Diablo“ herüber schaut — diente den Seeleuten früher zur Landmark, und ist selbst auf den neuesten Karten noch angegeben. Schon lange Jahre hacken und sägen sie aber daran herum, und thun ihr Möglichstes, die schönen Bäume von ihrem Ehrenplatze zu verdrängen und ins Thal hinabzurollen.
Von der Contra coast streckt sich jener Arm der hier etwa 4 bis 5 englische Meilen breiten Bai aus, der sich bis nach Pueblo San José hinaufzieht und dort von den Hügeln eingeschlossen wird. Links, über den niedern dünenartigen und nur hie und da mit Krüppeleichen und Lorbeer bewaldeten Hügeln hin, kann man die Masten der Schiffe erkennen, die, noch mit zum Hafen Yerba buena oder San Francisco gehörig, hier so weit (bis zu „Rincon point“) hinausgelegt sind.