„Caracho compañero“ schrie ihm endlich Einer der von San Francisco dazu herüber gekommenen Stierkämpfer trotzig zu — „mach’s besser wenn du kannst, aber steh’ und brülle da nicht, als ob du das Hirn verbrannt hättest an deinem agua ardiente[3]. Schreien kann Jeder,“ und in den Bart, als er sich wandte, murmelte er: „rothe, verdammte Bestie, ich wollte er spränge herunter zum nächsten Stier.“
„Zeig’ du’s ihnen einmal, Valentin, wie man’s machen muß,“ wandten sich jetzt aber auch einzelne von den Einwohnern der Mission, die den Indianer und seinen tollen Muth kannten, an den Eingebornen, der, als der beste Reiter und Lassowerfer sich selbst unter den Californiern einen Ruf erworben hatte.
„Zeig’ ich ihnen?“ erwiederte der halbcivilisirte Indianer mit einem verächtlichen Lachen in ziemlich reinem, nur wenig gebrochenem Spanisch — „zeig’ ich ihnen? und weshalb? — Mexikaner haben die Unzen — viel Unzen — Valentin hat Nichts — zerreißt seine Kleider, zerbricht seine Flasche — pah, wofür? — Für weiße Männer über Valentin zu lachen — laß’ die Matadoren kämpfen.“
„Aber sie können nicht!“ antworteten ihm Stimmen von fünf, sechs verschiedenen Seiten.
„Bah, es sind Stierkämpfer und nehmen Geld dafür,“ lachte der Indianer, „und die Weißen kommen in Schaaren und werfen es ihnen in den Hut — Stierkämpfer, ha, ha, ha, caracho, sie wagen es nicht einmal sich einem Kalb entgegenzustellen — Valentin ist zu gut für sie.“
Der Indianer warf den Kopf verächtlich zurück und seine edle Gestalt hob sich in dem Selbstgefühl der eigenen Kraft und Geschicklichkeit. Da fiel sein Blick auf die Flasche, die er, in dem Unwillen über die hölzernen Stierkämpfer fast vergessen, noch in der Hand trug, und mit einem heiseren, triumphirenden Lachen den Hals derselben an seine Lippen bringend, sog er in gierigem Zug den heißen, scharfen Trank durch die Kehle.
Das Jubelgeschrei der Menge unterbrach ihn, und wandte seine Aufmerksamkeit der Arena zu, in die jetzt, frei und ungehindert ein kohlschwarzer, wilder Stier getrieben und seinen Peinigern wieder übergeben wurde.
Der neue Stier war von ungemein starkem und kräftigem Wuchs und von trotzig finsterem Aussehen, was besonders durch die dichten und dunklen Haarbüschel verstärkt wurde, die über seinen Augen standen. Er strafte denn sein Aussehen auch keineswegs Lügen, und den Sand über sich werfend, daß er wie eine dichte Wolke auf ihm lag, wühlte und stampfte er den Boden mit Nase, Horn und Vorderhuf, und suchte brüllend den ersten Feind, seine Wuth an ihm auszulassen.
Auf einen Angriff sollte er auch nicht lange zu warten haben, denn zwei der mexikanischen Stierkämpfer in ihren kurzen bunten Jacken und Hosen, sprangen gegen ihn an, und suchten ihn irr zu machen und seine Wuth Einer vom Anderen abzulocken. Wenn er aber auch im Anfang vielleicht eine halbe Minute zu zögern schien, welchen er zuerst annehmen solle, dauerte diese Ungewißheit doch nicht lange, denn er warf sich gleich darauf in blinder Wuth auf den ihm nächsten, und trieb ihn wieder unter dem Hohngeschrei der Zuschauer, auf und über die Fenz, während sich der Andere, der jetzt wohl fürchten mochte, daß der ganze Zorn des Thieres gegen ihn allein gekehrt werden würde, langsam nach dem Eingang zurückzog, dort überzuklettern.
War dies langsame Zurückziehen eine Art von Ehrgefühl gewesen, die ihn verhinderte, dem zum Kampf aufgerufenen Gegner ohne weiteres wieder den Rücken zu drehen, so sollte das gar bald dem neuen Gefühl der Rettung Raum geben, denn das gereizte Thier sah, den Kopf wendend, kaum die langsam ihm ausweichende Gestalt, als er die Hörner niederbog, den Staub aufwühlte und mit kurzem Gebrüll und hoch und kampflustig gehobenem Schwanz in so tollem Anprall gegen den Flüchtigen losstürmte, daß dieser nicht einmal Zeit behielt die Fenz zu erklettern, sondern nur eben noch rasch zur Seite sprang, von den Hörnern des wüthenden Thieres nicht erfaßt und zerquetscht zu werden.