Wieder begann das Spiel; die beiden Brüder verloren zu ihrem Erstaunen an den jungen Burschen und wurden immer heftiger. Zwei Dollar setzten sie auf eine Karte, dann drei, und ohne daß sie es selber merkten, hatte sich indessen eine ganze Schaar von Zuschauern um sie versammelt, um dem „Rupfen“ mit allen Zeichen augenscheinlichen Vergnügens zuzuschauen.
Nur immer gieriger dadurch gemacht, setzten die beiden Burschen, ohne selbst auf manches wohlmeinend geflüsterte Warnungswort zu hören, mehr und mehr. Der eine warf zuletzt eine ganze Hand voll Silber mit einigen Goldstücken darin — vielleicht seine ganze Baarschaft — zu einem letzten entscheidenden Streich auf seine Karte. Dies Mal mußte er gewinnen — er hatte Einundzwanzig; der Bruder hatte zwei Goldstücke auf seiner Karte stehen und zwei Bilder in der Hand. — Das Glück hatte sich gewandt.
Der junge Bursch warf seine Karten auf; er hatte ein Aß und eine Drei — darauf konnt’ er nicht stehen bleiben. Er kaufte eine Zehn — das waren vierzehn; er kaufte noch einmal, eine Sechs — Zwanzig! Weiter zu kaufen wäre Wahnsinn gewesen, aber sein Blick fliegt von einem der Sätze zum anderen, und suchte verstohlen und wie nachdenkend das eigene Kartenspiel das er etwas vorgeschoben in der Hand hält.
„Ich kaufe,“ — ruft er dann, wie mit einem verzweifelten Entschluß, und das Einzige, was ihn konnte gewinnen machen von allen Karten, — das Aß — fällt, während er mit einem ruhigen Lächeln das Geld einstreicht.
„Nicht verzagt, Gentlemen, nicht verzagt,“ — ruft er dabei. „Das nächste Mal kommt die Reihe an Sie — Glück ist Alles, nicht verzagt — wie ist Ihr nächster Satz? — soll ich Ihren nächsten Satz sehen?“
Aber die beiden green mountain boys hatten gerade genug, und vielleicht selber nicht einmal mehr für einen nächsten Satz übrig. Sie stießen einander an und verließen den Tisch, während sich Andere hinandrängten, ihre Stelle einzunehmen.
Der Tisch nebenan machte keine so guten Geschäfte, wenigstens keine so großartigen, obgleich ebenfalls Dollar nach Dollar einkam, wenn auch der Einsatz meist nur in Vierteln gestellt wurde. Es war ein Würfeltisch, ein Stück Leinewand mit fünf großen Buchstaben A. B. C. D. E. bemalt, darauf. — Drei Würfel lagen daneben, von denen jeder die Buchstaben und ein blankes Feld trug. Der Knabe, der hinter dem Tisch stand, hatte einen großen Lederbecher zum Werfen vor sich stehen. Wer pointiren wollte, setzte irgend einen Satz auf einen oder mehre der Buchstaben und warf dann selber. War der gesetzte Buchstabe mit aufgeworfen, so bekam er seinen Satz herausgezahlt, ja doppelt oder dreifach, wenn es das Glück wollte, daß er zum Beispiel auf das D. gesetzt, und alle drei Würfel das D. gezeigt hätten; dagegen war der Satz verfallen, wenn andere Buchstaben kamen.
Gleich daneben war ein Roulet — weiterhin ein Pharaotisch. Dort stand ein Spieler mit drei Karten die er, halb zusammengebogen, herüber und hinüberwarf, um die erstaunten Zuschauer einzuladen darauf zu setzen. Diese aber wagten es nicht, oder glaubten daß er nur Scherz mache, weil die Sache so entsetzlich leicht und handgreiflich schien.
Dicht vor dem Tisch stand ein Mann in einem schwarzen Leibrock und betrachtete sich die Karten und das Wechseln derselben aufmerksam; um ihn herum stand ein Schwarm Backwoodsmen und Miner und flüsterte miteinander, und der Spieler warf indessen die drei Karten langsam und in solcher Art hin und her, daß man den einzelnen recht gut und leicht mit den Augen folgen und dann auch ganz unzweifelhaft wissen konnte, wo das Aß oder die Dame oder die Zehn — denn das waren die drei — lagen.