»Um Gottes willen,« flüsterte die Frau Staatsanwalt der Räthin zu, »ich glaube, da kommt noch mehr Besuch, und ich möchte hier nicht gern gesehen werden – daß sie nur Niemanden hereinläßt!«

Die Frau Heßberger war aufgestanden und horchte nach der Thür der Werkstätte hinüber, nach der zu ihr einziger Ausgang lag. Was in aller Welt ging da drinnen vor? – Sie sollte nicht lange in Zweifel bleiben.

»Du, Thomas, stellst Dich an die Treppe,« sagte die Baßstimme wieder, »und läßt Niemanden hinunter oder herauf. Ist Ihre Frau zu Hause, Heßberger?«

Sie hörte die Antwort ihres Mannes nicht, aber sie mußte bejahend ausgefallen sein.

»Nun gut,« fuhr der Baß fort, als noch eine andere Männerstimme zu ihm gesprochen, »Niemanden hinunter oder herauf ohne meine Erlaubniß. Einer von Euch bleibt bei dem Schuhmacher und läßt ihn nicht aus den Augen. Gehören die Leute hier alle in's Haus?«

»Nein, Herr Geheimer Commissar,« hörte sie jetzt Heßberger sagen. »Nur zwei von den Jungen schlafen hier, die beiden anderen sind auf der Arbeit.«

»Gut, die mögen sich anziehen und ihrer Wege gehen; wir haben nichts weiter mit ihnen zu thun. Die zwei Jungen bleiben da.«

Die Frau Heßberger schritt nach der Thür.

»Thun Sie mir den einzigen Gefallen, Frau Heßberger,« sagte die Frau Räthin rasch, »und schließen Sie die Thür zu, bis die Leute wieder fort sind, oder wenn das nicht geht, lassen Sie uns hinten hinaus; wir kommen lieber morgen Abend wieder.«

»Ich habe nur den einen Ausgang,« sagte die Frau; »aber gedulden Sie sich einen Augenblick – ich will nur sehen, was da vorgeht – die ganze Sache scheint ein Mißverständniß zu sein, und mein Holzkopf von Mann weiß sich nie zu helfen.«