»Sie haben da eine ganze Collection,« lachte Witte, indem er der Aufforderung Folge leistete; »aber ich fand schon gestern Abend an Ort und Stelle einige alte Bekannte unter den Silbersachen – da hier die Löffel gehören mir, ebenso dieser Deckel, und diese Zuckerzange kommt mir ebenfalls so vor, als ob ich sie früher schon in der Hand gehabt; aber zu der möchte ich nicht schwören – meine Frau wird sie jedenfalls besser kennen.«
»Und wann waren Sie noch im Besitz dieser Sachen?«
»Vor einigen Wochen.«
»Und wer glaubt Ihr wohl, Heßberger, daß Euch da die Sachen in dieser Zeit in die Kohlenkammer getragen hat, wenn Ihr selbst nichts davon wißt?«
»Thut mir leid, Herr Geheimer Justizrath, Ihnen darüber keine genügende Auskunft geben zu können,« sagte Heßberger verstockt; »vielleicht einer von meinen Lehrjungen – es ist nichtsnutzige Bande, und der eine besonders ein ganz concaver Mensch.«
»Dann leugnet Ihr auch vielleicht, daß Ihr vor drei Abenden, oder vielmehr an jenem Abend, an welchem der alte Salomon überfallen und erschlagen wurde, in der Judengasse waret?«
»So viel ich mich erinnere,« sagte Heßberger, »bin ich an jenem Abend gar nicht ausgewesen; es wäre aber möglich, daß ich eine oder die andere Besorgniß irgendwo gehabt hätte.«
»So? Ihr seid aber bestimmt dort gesehen worden, und ich kann Euch einen Zeugen stellen, der sogar mit Euch gesprochen und Euch gemahnt hat, ihm seine Stiefel bald zu schicken – den Kürschnermeister Peters.«
»Ach Gott, ja, Herr Geheimer Justizrath,« sagte Heßberger, »es könnte doch am Ende sein – wer denkt aber an solche Kleinigkeiten! In der Nähe der Judengasse ist allerdings eine Apotheke, wohin ich manchmal gehe und mir etwas gegen meine Beschwer hole. Ich habe immer solche Concessionen nach dem Unterleib.«
»Und Ihr habt des alten Salomon Haus an dem Abend nicht betreten? Besinnt Euch wohl!«