»Bleib', Else,« sagte der Vater; »sie ist in der Küche – geh' dann zu ihr.«
Fritz sah den Vater verwundert an und dann den Bruder. Karl machte ihm aber hinter dessen Rücken ein Zeichen, das er zwar nicht verstand, aber doch daraus ersah, es müsse etwas vorgefallen sein, und er thäte besser, für den Augenblick nicht weiter nachzuforschen. Wie er aber nur in der Werkstätte dem Vater und den Uebrigen flüchtig erzählt hatte, wie es da oben gewesen und er heute Morgen freigelassen sei, ja, eigentlich schon vor drei Stunden hätte hier sein müssen und nur durch ein Versehen des albernen Schließers noch zurückgehalten wäre, da griff er sein Schwesterchen wieder auf und sprang hinüber in die Küche zur Mutter, um diese zu begrüßen.
Es dauerte lange, bis er wieder zurückkam, und jetzt ohne die kleine Else, und als er in die Werkstatt kam, ging er auf den Vater zu und sagte: »Vater, was ist denn eigentlich hier im Hause vorgegangen? Ihr seht mir Alle so sonderbar aus, so fremd. Mir ist, als ob ich jahrelang entfernt gewesen wäre und nicht nur kaum eine Woche oder etwas mehr. Was habt Ihr nur? Wie ich in die Küche kam, fiel mir die Mutter um den Hals und weinte, als ob ihr das Herz brechen müßte, wollte sich auch gar nicht mehr beruhigen, und jetzt hat sie die kleine Else auf dem Schoß und küßt das Kind in Einem fort und drückt es an sich.«
»Komm einmal mit herein, Fritz,« sagte der Vater ernst; »ich habe ein Wort mit Dir zu reden.«
»Mit mir, Vater? Ist etwas vorgefallen?«
»Ja, und etwas, das Dir nicht länger ein Geheimniß bleiben darf, eigentlich hätte nie ein Geheimniß bleiben sollen.«
»Aber willst Du nicht erst einmal zur Mutter gehen?«
»Nachher, mein Junge; zuerst komm einmal mit mir in's Zimmer hinüber, denn mir – hat's beinahe das Herz abgedrückt die letzten Tage, und es ist Zeit, daß ich's los werde – ich halt's nicht mehr länger aus.«
»Ich begreife Dich nicht, Vater.«
»Du wirst's bald begreifen lernen,« nickte der Alte still vor sich hin; »komm nur mit, daß wir die Sache abmachen, denn ich muß wieder an die Arbeit. Und Du, Karl, geh' einmal zur alten Bertram hinüber und frage sie, ob sie Zeit hätte, ein paar Tage hier zu uns herüber zu kommen und uns in der Wirthschaft zu helfen.«