»Ich will Ihnen etwas sagen, Herr Actuar,« erwiederte der Staatsanwalt: »daß der Heßberger das Hosenzeug gestohlen hat, glaube ich, nach der Bereitwilligkeit, mit welcher er den Rath in den Laden führte, selber nicht; aber meiner moralischen Ueberzeugung nach ist der Schuhmacher ein vollkommen nichtsnutziges Subject, bei dem ich schon lange auf eine Gelegenheit gewartet habe, um ihm einmal beizukommen, und die bietet sich jetzt in vortrefflicher Weise durch unsern Rath Frühbach; der soll mir die Kastanien aus dem Feuer holen.«
Der Actuar lachte. »Aber was wollen Sie thun?«
»Haussuchung bei Heßberger's halten, und zwar einfach auf Anklage Frühbach's hin. Findet sich dann nichts, so mag er den Rath immerhin wegen Ehrenbeleidigung oder sonst was verklagen.«
»Aber Sie können den armen Rath dadurch in schmähliche Verlegenheit bringen, und er wird es Ihnen wenig Dank wissen.«
»Bah,« sagte Witte, »ich habe ihm erst neulich aus einer ganz ähnlichen herausgeholfen, und da mag er denn Eins gegen das Andere abrechnen. Uebrigens muß ich Ihnen gestehen, Actuar, daß gegen diesen Heßberger in mir ein ganz eigener und schwerer Verdacht aufgestiegen ist. Ich habe nämlich heute Morgen das Protokoll durchgeblättert, das Sie beim alten Salomon aufgenommen haben und mir zuschickten. Seine Aussagen sind allerdings vollständig unbestimmt, seine Personalbeschreibung des Mörders würde auf tausend Menschen in der Stadt passen; aber etwas habe ich darin gefunden, das mich stutzig machte. Er erwähnt, daß der Mann, der schon ein paarmal bei ihm im Laden gewesen, sonderbare Ausdrücke beim Reden gebraucht. Das thun nun allerdings ebenfalls viele Leute, aber bei diesem Heßberger ist es mir besonders aufgefallen, und es wäre doch merkwürdig, wenn wir dadurch auf die richtige Spur kämen.«
»Aber Sie glauben doch nicht, daß der kleine Heßberger....«
»Man kann keinem Menschen in's Herz sehen; übrigens weil ich eben nichts Bestimmtes weiß, kam mir der Rath mit seiner Klage gerade recht.«
»Und Sie haben ihm den Erfolg schon garantirt....«
»Nichts weiter als den Ersatz seines Hosenzeugs,« sagte Witte, »das sich nicht so hoch belaufen wird, wenn der Schuhmacher Heßberger den nämlichen Stoff trägt. Das Schlimmste, das mir also passiren kann, ist, daß ich dem Rath seine Hosen bezahle. Aber was ich Sie fragen wollte, wie steht es mit dem jungen Baumann?«
Der Actuar zuckte mit den Achseln. »Der alte Salomon,« sagte er, »will allerdings nichts von ihm gesehen haben und behauptet, daß er vollkommen unschuldig wäre; aber ich kann mich noch nicht überzeugen, daß dessen Aussage allein maßgebend sein sollte, da es doch nicht wahrscheinlich ist, daß ein Mensch allein wagen sollte, etwas Derartiges zu unternehmen. Baumann kann möglicher Weise draußen an der Thür Wache gestanden haben.«