»Abschied, Kathinka?«

»Ja; das gnädige Fräulein hatte mir schon vor einiger Zeit befohlen, das Schloß zu verlassen; aber ich durfte nicht fort. Der fremde Herr, der in den letzten Tagen den Befehl hier führte, litt es nicht; Niemand durfte den Platz verlassen, wie er sagte, bis der rechtmäßige Besitzer eingetroffen sei, der dann selber zu bestimmen haben würde.«

»Und Sie haben noch einmal an meines armen Benno Grab gebetet?«

»Er war der einzige Freund, den ich auf der Welt hatte,« sagte das junge Mädchen weich; »ich durfte den Platz nicht verlassen, ohne wenigstens von ihm Abschied zu nehmen.«

»Und gehen Sie gern, Kathinka?«

Das junge Mädchen schwieg; ein eigenes, wehes Gefühl preßte ihr das Herz zusammen, und sie brauchte Minuten, um sich zu sammeln. Endlich sagte sie leise: »So lange der – so lange Ihr Bruder lebte, würde ich mich schwer vom Schlosse Wendelsheim getrennt haben; jetzt bedarf man meiner nicht mehr, und – das gnädige Fräulein sieht auch meine Gegenwart nicht gern.«

»Aber wohin wollen Sie sich wenden?«

»Ich – weiß es noch nicht; ich – habe Aussicht, als Lehrerin in ein Institut zu treten.«

»Unter fremden Menschen?«

»Unter fremden Menschen?« wiederholte Kathinka wehmüthig. »Ich war die Fremdeste im Schlosse von Allen. Aber Sie entschuldigen mich wohl, Herr Baron; ich möchte meine Sachen packen, und glaube doch nicht, daß meiner Abreise noch etwas im Wege steht.«