Und war der junge Baumann jemals mit dem Menschen zusammen bei ihm gewesen?

Der junge Baumann – der Mechanikus? Nie.

Und er glaubte also nicht, daß jener Baumann bei dem Ueberfall betheiligt gewesen?

»Der junge Baumann? Gott der Gerechte,« rief der alte Mann aus, »würd' ich ihm anvertrauen meinen ganzen Laden mit Schlüssel und Schränken, als ich hab' die Beweise, daß er ist ein ehrlicher, braver Mensch, der junge Baumann!«

Der Actuar erzählte dem Alten jetzt, daß man gerade diesen in Verdacht gehabt habe, der Mörder zu sein, da er im Hofe unmittelbar nach der That und mit Blut bedeckt angetroffen worden sei; aber Salomon gerieth fast außer sich, als er hörte, daß man ihn noch auf den Verdacht hin gefangen halte.

»Der junge Baumann,« rief er, »wär' er dabeigewesen, der böse Mensch hätte nie wagen dürfen, Hand an einen alten Mann zu legen! Er kam immer allein, und wenn ich es hätte für möglich gehalten, daß etwas Derartiges könnte passiren mitten in einer großen Stadt und wo die Straßen sind noch belebt und die Häuser offen, ich würde gewesen sein vorsichtiger – aber der junge Baumann – Gott soll behüten – wegen meiner im Gefängniß! Lassen Sie den Mann los, Herr Actuar, denn wer weiß, wenn er nicht wär' dazugekommen und den Räuber verjagt hätte, ob ich noch lebte und erzählen könnte!«

Das war nun Alles schon recht, aber dem Actuar nicht im mindesten damit gedient, denn wenn er den Baumann losließ, hatte er keinen Andern dafür und mußte zugleich dabei eingestehen, daß er sich geirrt. Und war der alte Mann überdies auch wirklich ein genügender Zeuge, um den Gefangenen von jeder Schuld loszusprechen? War es überhaupt denkbar, daß irgend Jemand allein einen solchen Ueberfall unternommen hätte, wo er jeden Augenblick von außen gestört werden konnte und jeden Weg zur Flucht dann abgeschnitten sah? Zwei Gehülfen wenigstens durfte man bei einer solchen, jedenfalls vorher reiflich überlegten That annehmen, und während der eine den Ueberfall ausführte, stand der andere natürlich indessen Wache und half nur vielleicht im entscheidenden Augenblick. Daß Salomon dann den Zweiten, der anfangs vor der Thür stand, nicht gesehen hatte, ließ sich leicht erklären. Unter jeder Bedingung mußte aber der Versuch gemacht werden, den Gehülfen zu einem Geständniß zu bringen und dadurch den wirklichen Mörder herauszubekommen. So leicht ließ die Polizei Niemanden wieder frei.

Morgens um zehn Uhr, an dem nämlichen Tag, wurde der Schlossermeister noch einmal vorgeladen. Man hatte vergessen, ihm das Tuch zu zeigen, welches im Laden gefunden worden; er sollte bestätigen, daß es seinem Sohn gehöre, und sagen, ob er es schon in seiner Werkstätte, als er an dem Abend von ihm fortging, über die kleine Maschine, die sich allerdings im Laden gefunden, gedeckt hätte.

Schlossermeister Baumann mußte außerdem, ehe er vorkam, eine volle Stunde draußen auf der Galerie warten und konnte nachher auch nichts Bestimmtes aussagen. Seiner schlichten Meinung nach blieb sich ja das auch vollkommen gleich, ob das Tuch in der Werkstätte oder auf der Straße übergedeckt gewesen wäre; er begriff sogar nicht, wie man ihn nur einer solchen Bagatelle wegen wieder vorfordern und noch dazu so lange warten lassen konnte. Aber auf den Gerichten hat das Alles seine bestimmte Zeit, und die jungen Actuare, während sie selber nur für die gesetzlichen Stunden an das Büreau gebannt sind, verfügen gewöhnlich auf das willkürlichste über ihre vorgeladenen Zeugen. Dürfen sich diese doch nicht einmal darüber beschweren, ohne sich gleich einer Mißachtung des ganzen Instituts schuldig zu machen.

Auf das dringendste erneuerte er aber dabei seine Bitte, den gefangenen Sohn sprechen zu dürfen – es ging nicht an; der Gefangene hatte noch nichts gestanden, und es war da sehr leicht möglich, daß er von außen her Warnungen oder Nachrichten bekam, die auf den Lauf der Untersuchung störend hätten einwirken können. Die Gefühle eines Vaters durften dabei nicht in Betracht kommen.