»Gefällt Dir nicht, Gottfried?« rief die Frau. »Und hätte er sich ein netteres, hübscheres Mädchen in der ganzen Stadt aussuchen können?«

»Nein – sie ist mir nur zu nett,« erwiederte der Schlossermeister. »Wärst Du zu mir gekommen und hättest gesagt: Vater, ich habe mir die Tochter vom Schneidermeister So und So oder vom Schuster So und So zur Frau ausersehen und will sie heirathen, so würde ich geantwortet haben: Bravo, mein Sohn, thu' das, und Gott gebe seinen Segen dazu – meinen hast Du. Aber die vornehme Tochter des Staatsanwalts, die große Gesellschaften mit lauter Adeligen geben – das thut kein gut.«

»Aber, Vater, Ottilie ist so einfach erzogen – so wirthschaftlich!«

»Und bist Du wirklich überzeugt, daß sie Dich gern hat – nein, nicht so,« fuhr er rasch fort, als Fritz darauf erwiedern wollte – »und was wir so gewöhnlich darunter verstehen – ich meine, ob Du überzeugt bist, daß sie Dich so gern hat, um Dich wirklich zu heirathen und dem Handwerker vor allen übrigen vornehmen Bewerbern die Hand zu reichen?«

»Wenn ich es nicht fest glaubte, würde ich sie nicht darum fragen, Vater!«

»Ja,« nickte dieser, »denn ein richtiger Korb muß eine verflucht unangenehme Geschichte sein – möchte mir gerade keinen holen. Aber mir ist die Sache doch nicht recht – werde freilich nicht viel darum gefragt werden. Aber Du paßt in die Familie nicht hinein, und wir gar nicht, und ich glaube selbst nicht einmal, daß sich die Eltern – die Mutter wenigstens – besonders erfreut darüber zeigen würden.«

»Aber, Gottfried, ich weiß gar nicht, was Du immer für Bedenken hast!«

»Keine anderen, als solche, für die ich auch einen Grund hätte. Wenn sie wirklich an so etwas dächten, weshalb haben sie denn da den Fritz neulich nicht zu ihrem Ball geladen, wie? Wenn er ihnen gut genug zum Schwiegersohne wäre, müßte er es doch ganz gewiß erst recht als Gast sein. Es hat aber Niemand von ihnen daran gedacht, während es von adeligen Lieutenants nur so geschwärmt haben soll.«

»Aber was Du auch nicht Alles heraussuchst!«

»Ich suche gar nichts heraus, Alte, als was einmal drin liegt, und so viel ist sicher« – er mußte einen Augenblick mit Reden aufhören, denn so furchtbar dröhnte der Donner, daß die Worte lautlos verhallten – »so viel ist sicher,« fuhr er dann fort, ohne sich weiter irre machen zu lassen, »daß die Familie, meiner Meinung nach, mit ihrer Tochter weiter oder höher hinaus will, als sie einem Handwerker zu geben!«