Gerstäcker
Der Kunstreiter
1. Band
Bosse & Co., Hamburg
1914
1.
Auf der Hauptpromenade der Residenzstadt *** herrschte heute, bei dem außerordentlich freundlichen und warmen Wetter, reges Leben. Dieser Platz lag am entferntesten von dem Meßtreiben, das gerade jetzt die übrige Stadt erfüllte, und zahlreiche Equipagen fuhren auf und ab, während das schattige Laub der Parkanlagen selbst eine Menge Fußgänger angelockt hatte. Da kam plötzlich eine ganz ungewohnte Bewegung in die vor wenigen Minuten noch so ruhig Promenierenden. Ein großer Volkshaufe wälzte sich von oben die breite Hauptstraße herab, und die Equipagen drehten um und fuhren aus dem Wege, während die meisten der Fußgänger dem Schwarme ebenfalls auszuweichen suchten.
Zwei junge Damen, von einem Kürassieroffizier begleitet, blieben unschlüssig stehen und sahen den Weg hinauf.
»Wenn wir zurückgehen,« sagte die ältere von ihnen, »so verfehlen wir jedenfalls Papa, der gerade in dieser Stunde aus dem Ministerium kommt, und wir haben versprochen, ihm bis hierher entgegen zu gehen. Was kann das nur sein?«
»Jedenfalls irgend ein Meßzug,« erwiderte der Offizier, »wenn wir einen Augenblick in der Veranda jenes Cafés Schutz suchen, wird sich die Menge vorüberwälzen und verlaufen.«