Komtesse Melanie schwieg und eine fliegende Röte färbte ihr für einen Augenblick Wangen und Nacken, um gleich darauf wieder, so rasch wie sie gekommen, zu verschwinden. Fräulein von Zahbern aber, mit dem Interesse, das sie an jeder Stadtneuigkeit nahm, rief erstaunt: »Ist es denn möglich, Monsieur Bertrand will sein Geschäft aufgeben? Aber das kann ja gar nicht sein, oder er hat sich genug verdient, um den Kunstreiter an den Nagel zu hängen und den Rentier zu spielen. Da freue ich mich nur, daß wir ihn noch zu guter Letzt gehabt und gesehen haben. Und seine Frau reitet nun also auch nicht mehr?«
»Nur Vermutungen von unserer Seite, meine Gnädige,« sagte der alte General von Schoden. »Wir wissen selber darüber nicht mehr als Sie.«
»Ich finde es auch so erstaunlich unweiblich, zu reiten,« bemerkte Fräulein Euphrosyne von Schoden, »ich muß gestehen, ich hätte die Vorstellungen um keinen Preis wieder besucht.«
»Larifari!« lachte der alte General, »wegen der kurzen Röcke? – mit langen Reifröcken können sie auf keinem Pferd herumtanzen.«
»Aber, Papa, ich bitte dich um Gottes willen...«
»Ich fragte Monsieur Bertrand,« fiel hier Graf Selikoff ein, »ob er die Absicht habe, seine Reitkunst aufzugeben, erhielt von ihm aber nur ausweichende Antworten. Die Sache kann übrigens kein Geheimnis bleiben, denn seine Truppe wird uns bald darüber aufklären, wenn er es selber nicht für nötig finden sollte.«
»In der Stadt erzählt man,« nahm hier der hinzutretende Intendant das Wort, »daß sich Monsieur Bertrand schon wegen des unterlassenen Seiltanzes zwischen den beiden Türmen sehr heftig mit seiner Frau gezankt habe, und die beiden sich wollten scheiden lassen.«
»In der Tat?« rief Melanie schnell, und ihr Blick streifte fast unwillkürlich den Rittmeister.
»Ja, meine Gnädigste,« versicherte Herr von Zühbig mit wichtiger Miene, indem sich seine Stirn in dichte Falten zog, »Madame Bertrand scheint etwas heftiger, selbständiger Natur zu sein, wie alle diese Art Damen, und es sollte mich gar nicht wundern, wenn sie das Geschäft ohne Herrn Bertrand allein fortsetzen würde.«
»Ohne Pferde?« fragte der General.