»Warum nicht?« erwiderte der Mann, ohne seine Stellung auch nur um ein Haar breit zu verändern, »immer noch besser ein Bauer als ein – Hanswurst.«
»So zieht ihr beiden allein zwischen eure Schafe und Kühe!« rief das junge, schöne Weib, in wildem Zorn emporfahrend, »ich selber weiß, was ich mir und Josefinen schuldig bin, und den will ich sehen, der mich zwingen will, draußen zwischen Kraut- und Kartoffelfeldern mein Leben zu beschließen!«
»Niemand Georgine, niemand!« sagte in diesem Augenblicke die tiefe, klangvolle Stimme Georg Bertrands, der unbemerkt von den beiden in die Tür getreten und auf der Schwelle stehen geblieben war. »Wenn du es übers Herz bringen kannst, deinen Gatten allein ziehen zu lassen, allein deinen Weg dir in der Welt zu bahnen, in Gottes Namen dann, ich kann und werde dich nicht daran hindern.«
»Nicht?« rief die Frau erstaunt, ja überrascht nach ihm herumfahrend, »du würdest dich von mir und Josefinen trennen wollen?«
»Von Josefinen? – nein,« sagte der Mann ruhig, indem er seinen Hut auf den Stuhl neben der Türe legte und langsam jetzt ins Zimmer trat.
»Von Josefinen nicht?« rief in schnell wieder aufloderndem Zorne die Frau, »welche Macht der Erde wird das Kind von der Mutter trennen?«
»Das Gesetz,« erwiderte mit dem vorigen Gleichmut ihr Gatte, »das Gesetz spricht nach dem siebenten Jahre das Kind dem Vater zu.«
»Du darfst mir Josefinen nicht nehmen,« zischte da Georgine zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch, »du weißt, daß ich ohne das Kind nicht leben kann, daß ich mit mehr als Mutterliebe an ihm hange, daß sie mein ein und mein alles ist auf dieser Welt – du kannst und darfst mich nicht töten – und mir das Kind nehmen, hieße mehr als mich morden.«
»Und will ich das?« erwiderte Georg, jetzt vor sie tretend und ihre Hand ergreifend, »habe ich nicht Bitten auf Bitten an dich verschwendet, mir und dem Kinde das Opfer zu bringen, diesem unseligen Leben zu entsagen? Hat nicht Josefine selber dich gebeten, mich nicht zu verlassen und draußen in der freundlichen Natur zu vergessen, was dich hier berauscht – den Beifall der Menge! – Georgine, kann dir denn nicht ein häusliches Familienglück, das du noch gar nicht kennst und das nur zu bald seinen Zauber um dich breiten wird, das Jauchzen und Beifallklatschen fremder, gleichgültiger Menschen ersetzen? Lebst du denn nur für diese Masse, die dir nichts, gar nichts entgegenbringt, als nur das Verlangen, auf angenehme Weise amüsiert zu werden, und die gleichgültig selbst an deinem Sarge vorübergehen würde, wenn ein unglücklicher Fall dich in der nächsten Stunde vielleicht abriefe?«
»Nach meinem Tode? Nicht so viel kümmere ich mich darum!« rief das schöne Weib verächtlich. »Ob sie mich lieben werden oder hassen, was liegt daran! Nur dieses Leben ist mein, nur dem Leben gehöre ich an. Was schert mich die Liebe oder der Haß des Volkes nach dem Tode!«