Georgine errötete leicht und sah ihren Gatten an. Georgs Brauen aber zogen sich finster zusammen, und kaum fähig, seine Fassung zu behalten, sagte er: »Es finden sich oft Aehnlichkeiten auf der Welt, Herr Baron, die uns im Anfange stutzig machen – es gibt deren auch, die schmeichelhaft – andere, die es nicht sind. Das beste ist, man läßt sich nicht von ihnen beirren, und nimmt das Leben, wie es sich eben bietet, ohne darüber nachzugrübeln.«
Irgend ein anderer Mann, an des Barons Stelle, hätte sich vielleicht den ziemlich deutlichen Wink genügen lassen; Herr von Zühbig aber, mit dem entzückenden Gefühl, für die Salons und deren Klatsch eine neue superbe Entdeckung gemacht zu haben, und von der Identität der vor ihm Stehenden dabei fest überzeugt, hörte, sah und verstand nichts weiter.
»Wenn ich Ihnen nur gestehen dürfte, wie glücklich ich mich fühle, Ihnen hier in Ihrer reizenden Einsamkeit begegnet zu sein!« fuhr er fort, als er sah, daß Georgine verlegen schwieg, »ich segne jetzt den Unfall mit meinem Wagen, der mich auf keiner passenderen Stelle hätte aufs Trockene setzen können.«
»Und mit wem haben wir Aehnlichkeit, Herr Baron?« sagte in diesem Augenblick Georgs tiefe Stimme an seiner Seite.
»Mit wem?« fuhr Herr von Zühbig rasch und beinahe etwas erschreckt herum und starrte seinen Wirt verblüfft an. Dessen Ruhe machte ihn nämlich in seiner Entdeckung wieder schwankend, und wenn er auch auf Georginens Gesicht mit gutem Gewissen hätte schwören mögen, so war ihm das ihres Gatten doch keineswegs so sicher im Gedächtnis geblieben, darin jeden Irrtum außer Zweifel zu lassen. »Mit wem, Verehrtester? o, mit – aber, hahahaha, – Sie wollen doch nicht etwa – Ihr Name...«
»Georg von Geyfeln.«
»Von Geyfeln – Georg? – o gewiß – außer allem Zweifel. Ich bitte, mich um Gottes willen nicht mißverstehen zu wollen. Der frühere Name war jedenfalls angenommen – ein Kunstname. Wir haben das ja bei der Bühne alle Tage, und ich – darf wohl mit Recht von mir sagen, daß ich selber mit zur Kunst gehöre.«
»Sie selber? wie verstehe ich das?« fragte Georg, dem der Fremde eben nicht wie ein Künstler vorkommen mochte.
»Ich bin,« stellte sich der Herr von Zühbig vor, »Generalintendant des ***schen Hoftheaters, wo ich – wenn ich nicht jetzt an ein Wunder glauben soll – das Glück hatte, durch Sie beide in eine reine Ekstase versetzt zu werden. Sie – aber, bester Baron, machen Sie kein solch ernsthaftes Gesicht – Sie bringen mich wirklich in – in Ungewißheit und Gewißheit – ich fange schon an, ganz konfus zu reden – zur Verzweiflung.«
»Am ***schen Hoftheater?« sagte Georg, immer noch in der, wenn auch vergeblichen Hoffnung, den Fremden von seiner Beute für Tee- und Abendunterhaltung abzulenken.