»Ja, Onkel,« erwiderte Karl ruhig, ohne den Blick von der Frau zu wenden, »und wahrscheinlich auch das letzte Mal, daß ich es hier werde eins schlagen hören.«
»Bist du toll?« rief Mühler erschreckt, und Georgine sah rasch und forschend zu ihm auf. Karl aber, ohne sich im geringsten irre machen zu lassen, entgegnete: »Nichts weniger als das, Onkel; ich habe im Gegenteil heute, wie ich glaube, meinen Verstand erst wiedergefunden und bin nicht gesonnen, mich hier länger knechten und mißhandeln zu lassen, nur um zu leben, wie es einem dritten gefällt, während ich draußen mein eigener freier Herr sein kann. Die Kameraden gehen nach Altona, wo sich ein neuer Zirkus unter dem berühmten Royazet etabliert hat. Royazet zahlt brillante Gagen, und wenn Georgine mit Josefinen bei dem einträte, könnten sie...«
»Royazet?« unterbrach ihn Georgine emporfahrend, und tiefes Rot färbte in diesem Augenblick ihre Wangen, »weißt du das gewiß?«
»Gewiß,« erwiderte Karl bestimmt, »Müllheimer, Hentz und Bentling sind eben dorthin unterwegs. Royazet hat sich mit dem größten Teil seiner früheren Gesellschaft veruneinigt oder sonst Schwierigkeiten mit ihnen gehabt, denn sie sind ihm fast alle von London aus nach Australien durchgegangen. Hier allerdings bekommen wir nichts zu hören noch zu sehen, draußen aber hat's in allen Zeitungen gestanden, daß er eine neue Gesellschaft gründen will, um mit ihr nach Rußland zu gehen, und deshalb alle namhaften Künstler auffordert, sich an ihn zu wenden.«
»Aber ich habe keine einzig solche Aufforderung in den Zeitungen gelesen,« sagte Georgine.
»Das glaube ich,« sagte Karl erbittert, »wer liest sie zuerst? Georg, und was wir nicht wissen sollen, das weiß er gut genug zu unterschlagen. Erst vorgestern kam ich gerade dazu, wie er die neue Zeitung in den Ofen steckte, und meinen Kopf setze ich zum Pfande, daß in der die nämliche Aufforderung stand.«
»Von Royazet will er überhaupt nichts wissen,« meinte Mühler nachdenklich, »und du kennst den Grund gut genug, Georgine, denn er ist eifersüchtig wie der Teufel auf ihn. Aber wenn er wirklich die Zeitung verbrannt hätte, hat er doch nur recht damit gehabt. Was nützt uns hier, zu wissen, daß sie da draußen in der Welt noch lustige Streiche treiben! Wir haben nichts mehr damit zu tun.«
»Meinst du, Onkel?« rief Karl, »wenn du wirklich eine solche Schlafmütze geworden bist, dich ruhig unter dem Daumen halten zu lassen...«
»Junge,« lachte der Alte, »ich bitte mir mehr Respekt aus...«
»So magst du es tun,« fuhr jedoch Karl unbekümmert fort.