Die Sache interessierte den Kutscher zu wenig, und er antwortete nichts darauf, hieb dagegen auf seine Tiere ein, um sobald wie möglich aus dem ihm immer schärfer entgegenwehenden Nordwinde und in die warme Stube zu kommen, wo er die Gewißheit eines Rasttages hatte. Die Pferde griffen tüchtig aus, und bald konnten sie von weitem die roten Dächer des kleinen freundlichen Ortes und die weite Fläche des Sees durch die Bäume herüber schimmern sehen. Der Wagen rollte jetzt in dem flachen Tale hin, und der Kutscher, nach links hinauf deutend, sagte: »Da drüben liegt das Gut, das der Herr Baron gepachtet hat.«
»So? – das ist Schildheim?« sagte der Fremde mit großem Interesse, »also sind wir jetzt auch gleich im Dorfe?«
»Wird nicht mehr lange dauern – da vorn liegt's schon,« sagte der Kutscher, und während er mit leisem Schnalzen die Peitsche schwang, legten sich die Pferde von selber mehr in den Zug, als ob sie den ihrer wartenden Hafer und den warmen Stall schon witterten. Es dauerte auch nicht lange, so erreichten sie die ersten Außengebäude, und bald darauf hielt das leichte Fuhrwerk vor dem Stern, an dem sie der Wirt mit abgezogenem Käppchen bewillkommnete und Gast wie Pferden vortreffliches Unterkommen versprach. Zu gleicher Zeit kam von der andern Seite die Briefpost durch das Dorf, hielt am Wirtshause, um die Briefe für Dorf und Gut abzugeben, und rasselte dann weiter. Ein Knecht aber, der um diese Zeit immer vom Gute herabgeschickt wurde, etwa eingetroffene Briefe und Zeitungen in Empfang zu nehmen, tat die erhaltenen Papiere in einen hierzu bestimmten ledernen Beutel und wollte damit ungesäumt nach Hause zurückkehren, als er von jemandem angerufen wurde. Er drehte sich nach der Stimme um und sah den Schulzen mit dem Müller und noch zwei anderen Bauern, die ihm winkten und dann zu ihm herankamen.
»Hör' einmal, Gottlieb,« sagte der erstere, als sie nahe genug waren, sich verständlich zu machen, »was habt Ihr denn gestern auf dem Gute mit dem Tobias angefangen?«
»Wir?« lachte der Knecht, »an die Luft haben wir ihn gesetzt, wie es uns der gnädige Herr geheißen!«
»Wieso, an die Luft gesetzt?«
»Nun, vors Tor gebracht und laufen lassen. Er war so betrunken, daß er kaum stehen konnte. Hat er uns verklagt?«
»Nein, das nicht,« sagte der Schulze, »habt Ihr ihm weiter nichts zuleide getan?«
»Nicht das geringste,« erwiderte der Knecht. »Er schimpfte wohl und räsonnierte in einem fort; aber was ist mit einem besoffenen Menschen anzufangen?«
»Und was machte er, als Ihr ihn vor das Tor setztet?«