»Aber ich begreife gar nicht...«

»Nachher, Mütterchen, nachher,« bat Melanie, während Graf Geyerstein auf sie zuging und ehrfurchtsvoll ihre Hand an seine Lippen zog, »der Graf selber begreift es noch nicht, und ihm bin ich vor allen anderen eine Erklärung schuldig, dann kommst du und Papa auch daran. Nicht wahr, ihr laßt mich einen Augenblick mit ihm allein?«

»Ja, wenn wir hier aus dem Zimmer geworfen werden, Mütterchen, dann müssen wir wohl gehen,« lachte Herr von Ralphen; »und ob mir der verzweifelte Mensch nur den Brief aus der Hand genommen hätte,« setzte er hinzu, indem er das Schreiben mit komischem Zorn auf den Tisch warf.

»Und das alles hier –« begann die Mutter noch einmal; ihr Gatte aber nahm ihren Arm in den seinen, und mit einem freundlichen »Macht's kurz, ihr beiden, und Sie, Major, kommen dann zu mir hinüber,« zog er die noch immer halb Widerstrebende lachend aus der Tür und mit sich in sein Arbeitszimmer, um dort den glücklichen Bräutigam zu erwarten.

31.

Bei Herrn von Zühbig war großes Diner zur Geburtstagsfeier der gnädigen Frau.

Geladen waren: Herr Staatsrat von Zädnitz mit Gemahlin, Herr General von Schoden mit Fräulein Euphrosyne von Schoden, Herr Geheimer Finanzrat von Eitelbrand mit Gemahlin und Tochter, Fräulein Franziska von Zahbern, Herr Baron Hugo von Silberglanz, Herr Gerichtsassessor Freiherr von Helmersdorf.

Das Diner war verzehrt, die Diener schafften Schüsseln und Weinflaschen hinaus, die Damen und Herren hatten sich in einen benachbarten Salon begeben, wo Kaffee serviert wurde, und während sich die Gäste hier in kleinen Gruppen absonderten, gelang es dem Staatsrat von Zädnitz endlich, wonach er schon lange gestrebt, den Baron Hugo von Silberglanz in einem Knopfloch zu erwischen.

»Aber, mein Herr Baron,« rief der etwas ausgetrocknete Herr, indem er sein scharfmarkiertes Gesicht in ein süßliches Lächeln zog, »man wird Ihrer ja gar nicht habhaft, und ich habe mir bis jetzt die größte, wenn auch immer vergebliche Mühe gegeben, Ihnen auch nur einmal für einen Moment beizukommen.«

»Herr Staatsrat, ich stehe ganz zu Ihren Diensten,« sagte unser alter Freund Hugo von Silberglanz mit einer tiefen Verbeugung, »Sie haben nur zu befehlen.«