»Ihr seid nicht vom Dorfe heraufgekommen?«
»Nein – gerade von der andern Seite aus dem Walde. Nur als ich die Glocke unten hörte, die dem alten Tobias das Geleite zur letzten Ruhestätte gibt, da setzte ich mich hier auf die Bank und horchte den Tönen. Es klingt ja so heilig und erhebend, wenn man die Glocken kann im Walde anschlagen hören, noch dazu von einem solchen Platze aus, wie dieser, wo sie in früheren Jahrhunderten ihren Götzen Opfer schlachteten und von dem lieben Herrgott da oben nichts wissen wollten. Sonntagmorgens bin ich fast immer hier, besonders im Sommer, und mit dem Geläute unten, dem Singen der Vögel und dem Rauschen des Waldes müßte das ein verstockter Mensch sein, der da nicht von Herzen beten könnte.«
Georgine hörte kaum, daß er sprach. Ihr Blick schweifte unruhig über ihn hin und an den Stämmen der Bäume vorüber. Wenn er sein Wort nicht hielte! dachte sie mehr, als daß sie es durch die halb geöffneten Lippen murmelte, und fast unwillkürlich ballte sich die Rechte zornig um die gehaltenen Zügel. Das Pferd scharrte indessen ungeduldig den Schnee und blies den Dampf aus seinen feinen Nüstern in die klare Luft hinein.
»Aber, Mama,« sagte Josefine, »du hältst so lange still. Wird es deinem Fingal nicht schaden?«
Der alte Forstwart, der seinen Blick schon lange ernst und aufmerksam auf der Kleinen hatte haften lassen, lächelte, als er die Worte hörte.
»Sieh, wie besorgt das kleine gnädige Fräulein schon um das arme Tier ist! Das ist recht; das zeigt ein gutes Herz, und was wir an dem geringsten seiner Geschöpfe tun, wird uns der Herr da oben auch wieder zugute halten.«
»Fahren wir jetzt wieder nach Hause zurück, Mama?« fragte die Kleine, als Georgine den Schlitten langsam um die Eiche lenkte, das in der Tat warm gewordene Tier etwas in Bewegung zu halten.
»Nein,« sagte die Frau, »wir besuchen vielleicht einmal den Storchhof oder Kleinmarkstetten.«
»So weit?«
Der Schlitten hielt wieder neben dem Forstwart – Georgine zerbrach sich den Kopf, wie sie den lästigen Menschen entfernen könnte.