»Bei dem Wetter soll man nun recognosciren,« sagte der eine der Soldaten, die sich höchst unbefangen mit einander unterhielten, zu dem anderen — »und man weiß gar nicht, wo der Lärm gewesen ist.« —

»Bei Don Gomez — meint die eine Wache,« erwiederte ein anderer, »aber noch ist nichts Bestimmtes bekannt — wie wir vorbeimarschirten war ja auch Alles still und ruhig dort.« —

Die Worte verklangen in der Ferne, und Stierna zerbrach sich eben den Kopf, was man mit dieser Patrouille hier eigentlich zu so außergewöhnlicher Zeit wollte, wenn nicht die Flucht des Gefangenen schon bekannt geworden wäre, als ihn plötzlich ein leiser Pfiff, dicht von den Häusern kommend, aufstörte, und freudig emporfahrend, erkannte er eine dunkle Gestalt, die rasch über die Straße glitt und in seine ausgebreiteten Arme sank. Es war Don Morelos.

»Aber wo um Gottes Willen sind Sie so lange geblieben?« rief Stierna ängstlich, seinen Arm ergreifend und haltend — »ich fürchtete schon —«

»Pst — wir müssen fort,« unterbrach ihn aber der junge Spanier — »die Patrouillen scheinen schon mehr zu wissen, als uns gut sein möchte. — Wie aber kommen wir an Bord?« —

»Ein Canoe liegt hier zwischen den Felsen, das uns —«

»Gut, gut, fort nur, das Wetter ist herrlich — hurrah, nach Chile, und wie sie schauen werden, hahahahaha!« —

»Um Gottes Willen nicht so laut,« bat ihn ängstlich der Schwede, »die Patrouille kann dort oben wahrscheinlich nicht hinaus, und muß hier bei uns wieder vorbei — wir dürfen uns deshalb auch nicht auf's Wasser wagen, bis sie passirt ist.«

Das scharfe Ohr des Spaniers hatte indessen schon wieder die rückkehrenden Schritte der Soldaten vernommen, und sich dicht an den Stamm des Baumes schmiegend, dessen ungleiche und hohe Wurzeln ihnen ungemein günstig waren, drückten sie sich lautlos zwischen diese hinein, bis die Gefahr vorüber war. Die Patrouille zog indessen mürrisch und schweigend vorbei; es regnete jetzt, was vom Himmel herunter wollte, und die armen Teufel von Soldaten dachten in ihren dünnen nassen Jacken an den feuchten, kalten Raum, der sie erwartete, wenn sie nach ihrer Hauptwache jetzt zurückkehrten. Wer konnte in solcher Nacht hoffen, irgend Jemanden einzufangen, dem nicht selber daran lag, arretirt zu werden.

Eine Viertelstunde später glitt das kleine Canoe, von Stiernas Hand gerudert, und die Fahrzeuge der Binnenrhede vermeidend, auf die Außenrhede hinaus. Vom Bug des kleinen Schuners »Oporto« hing eine Laterne, deren Licht durch die geschliffenen Scheiben wie ein Stern durch die Nacht funkelte. Zu Starboard vom Bord hing die Fallreepstreppe nieder, und das Canoe treiben lassend, um morgen irgendwo am Ufer des La Plata von einem Fischer aufgefangen zu werden, betraten sie das Fahrzeug, das sie mit Tagesanbruch der gefährlichen Nähe des Diktators und seiner Häscher entführen sollte.