»Gut, Señor,« sagte er nach einer ziemlich langen Pause, nach der er mit verschränkten Armen vor dem jungen Arzte stehen blieb — »ich gehe auf Ihren Vorschlag ein, und habe auch einen passenden Mann, einen wirklichen Caballero von Riesenstärke und mir eng befreundet, der mir zu Liebe die allerdings schwierige, ja vielleicht gefährliche Stellung übernehmen wird; ich hoffe aber, daß Sie bald — sehr bald zu einem entscheidenden Resultat auf eine oder die andere Weise kommen, denn Sie können sich denken, daß ich Don Luis nicht der Gefahr aussetzen mag, meiner eigenen und hier allerdings sehr unzeitigen Gutmüthigkeit als Opfer zu fallen.«

Leifeldt versprach Alles, so lange er nur nicht unnöthiger Weise an dem Freund zum Verräther zu werden brauchte; ja nahm sogar gern das Anerbieten Don Guzmans, der ihn nicht aus den Augen lassen wollte, an, ihn zu der Wohnung dieses neuen Agenten zu begleiten, von dem der Argentiner so kräftigen Schutz und Beistand hoffte, und die beiden Männer machten sich dorthin ungesäumt auf den Weg.


10.

Don Manuel.

Don Manuel, den sie glücklicher Weise zu Haus und eben beschäftigt trafen, in aller Gemüthsruhe seinen Maté[19] aus einer dünnen silbernen Bombille oder Röhre zu ziehen, war eine kleine behäbige aber korpulente, kräftige Gestalt, mit dem gutmüthigsten Gesicht von der Welt, das nur ein paar schmale, schwarze, lebendige Augen, die gar vergnügt aus der Fettmasse herausblitzten, Lügen straften. Er empfing die Männer auf das Freundlichste, und wenn sich auch Leifeldt eine solche Hülfe allerdings anders gedacht hatte, ließ ihn Don Guzman doch gar nicht zu Worte kommen, sondern machte den neuen Theilnehmer ihres Plans ohne Weiteres mit dem bekannt, was sie zu ihm geführt hatte, und worin sie seinen Beistand in Anspruch zu nehmen wünschten.

Don Manuel schnitt allerdings im Anfang ein etwas bedenkliches Gesicht, und schien sich einer solchen Mission gerade nicht sehr zu freuen, ja weigerte sich sogar, etwas derartiges allein zu unternehmen; Don Guzman zog ihn aber in eine Fensterbrüstung, und nachdem er sich dort eine ziemlich geraume Zeit gar eifrig mit ihm unterhalten, erklärte sich der kleine Chilene bereitwillig, jedoch nur unter der Bedingung, daß der also zu Beaufsichtigende nicht etwa gefährliche Waffen an sich herum trage.

Alles Weitere besprachen sie unterwegs, denn Leifeldt wünschte so rasch als möglich zu dem Kranken zurückzukehren, ehe ihn die Nachricht von der Ankunft Don Luis erreichen konnte.

Sie fanden ihn langsam im Zimmer auf- und abgehend, und er grüßte den Fremden, der ihm als ein hiesiger Kaufmann Don Manuel vorgestellt wurde, auf das Freundlichste, ja es schien sogar, als ob er gerade heute seine rosigste Laune habe, und wie er mit dem kleinen dicken Mann erst nur ein wenig bekannt war, lachten und erzählten die beiden miteinander, als ob sie seit Jahren die besten Freunde gewesen wären.

Don Manuel nahm Leifeldts, schon vorher verabredete Einladung zu Tisch an, und dort war es, wo der Chilene zuerst den Namen Don Luis de Gomez — anscheinend leicht hingeworfen — erwähnte, die Wirkung zu beobachten, die sie auf den Spanier haben würde; Don Gaspar war aber den Morgen hindurch so auf diesen Namen vorbereitet, daß seine Bewegung, die er dennoch nicht ganz unterdrücken konnte, keinesfalls von den beiden Männern bemerkt worden wäre, hätten ihn diese nicht eben so scharf im Auge behalten. Das Gefühl, sich bewacht zu wissen, half dazu, und das Blut schoß ihm im förmlichen Strom in die Schläfe, Don Manuel hatte aber das Gespräch schon wieder nach anderer Richtung gelenkt, und erzählte jetzt dem jungen Arzt von einer Schlägerei, die an dem Morgen zwischen englischen und chilenischen Matrosen statt gefunden, in so komischer Weise, daß bald alle anderen Gedanken in einem schallenden Gelächter Don Gaspars untergingen.