»Es war allerdings sehr rücksichtslos von Herrn von Pulteleben, da ihm die Frau abhanden gekommen, nicht doch wenigstens die vermuthete Schwiegermutter zu behalten – doch zur Sache. Wollen Sie meinen Wunsch erfüllen oder nicht? ich muß Antwort haben.«
»Lassen Sie mir Zeit zur Überlegung.«
»Nein – hier ist Papier und Dinte – in fünf Minuten bleibt Ihnen keine Wahl mehr.«
»Und Sie versprechen mir zu schweigen?«
»Sie haben mein Wort. Überdies verlasse ich in einer Viertelstunde die Colonie.«
Die Frau seufzte tief auf, ging zu dem Tisch, schrieb ein paar Worte und reichte den Zettel dem jungen Mann hinüber.
»Bitte,« sagte dieser abwehrend, »schließen Sie das Blatt in ein Couvert – das Geheimniß ist nicht für mich.«
Die Frau that auch dieses; sie war vollständig gebrochen, und zwar mehr durch die Angst, ihren angemaßten Titel in der Colonie zu verlieren und ihren künstlich aufgebauten Rang zusammenstürzen zu sehen – und der Baron mußte schon einen Verdacht gefaßt haben – als durch die Sorge um die Zukunft, die sie noch nie gekümmert hatte. Sie lebte nur in dem Augenblicke, dem sie abrang was sie konnte; was kümmerte sie der nächste Tag?
»Nun bitte ich Sie noch um Eins, Frau Gräfin,« sagte Felix, als er mit einer dankenden Verbeugung das Papier in die Tasche schob und sie scharf dabei ansah – »wie war es möglich, daß Helene bis vor wenig Tagen keine Ahnung davon haben konnte, Sie seien nicht ihre wirkliche Mutter? Ich begreife das nicht.«
»Helene,« sagte die Frau, »war als Kind zuerst zu einer Wärterin, dann in Pension gegeben, und zwar unter einem andern Namen, denn ihre Geburt mußte geheim gehalten werden. Erst als ich ihrer Mutter meinen Entschluß erklärte, nach Brasilien auszuwandern ....«