»Helene, sei vernünftig!« rief Madame Baulen erschreckt; »Du wirst doch nicht ...«
»Ich werde Herrn von Pulteleben sein Wort zurückgeben.«
»Das darfst Du nicht ...«
»Und wenn Sie mich drängen, ihm auch sagen, weshalb.«
»Du handelst wie eine Wahnsinnige. Und wovon willst Du leben?«
»Was mein Eigenthum hier im Hause ist, mein Instrument, meinen Schreibtisch, meine Bücher und mein Pferd werde ich zum Theil verkaufen, und mit dem Erlös mein Leben fristen, bis ich mir selber in ehrlicher Weise mein Brod verdienen kann.«
»Aber das Geschäft, das wir begonnen haben – Herr von Pulteleben wird den Augenblick zurücktreten, wenn Du ihn so auf das Tödtlichste beleidigst.«
»Und was kümmert das mich?«
Die Frau erschrak, denn erst jetzt fühlte sie, daß sie ihr Spiel mit Helenen vollständig verloren hatte. Das Mädchen, welches sie die langen Jahre benutzt, mit allen nur erdenkbaren Intriguen ein bequemes Wohlleben für sich und ihren vollkommen nutzlosen Sohn zu schaffen, glitt ihr unter den Händen fort, und zum ersten Mal trat ihr die furchtbare Möglichkeit vor Augen, daß sie auf sich selber angewiesen werden könne. Helene aber, die wohl ahnen mochte welche Gedanken sie jetzt bewegten, wandte sich verächtlich von ihr ab, und schritt der Thür zu, die sie aufschloß. Dort blieb sie noch einmal stehen und sagte, ohne sich aber umzusehen:
»Was ich heute oder morgen über meinen künftigen Aufenthaltsort beschließen werde, weiß ich noch nicht – aber ich weiß, daß ich ein Recht habe, hier in diesem Hause zu wohnen, so lange ich es für passend finde. Ich werde Sie später das Nöthige wissen lassen« – und ehe Madame Baulen ein Wort darauf erwiedern konnte, war sie durch die Thür verschwunden.