Und der Mann machte ebenfalls daß er hinauskam, um sich den schauerlichen Anblick eines Ermordeten zu gönnen, und dann Nächte lang in dem Gedanken daran nicht schlafen zu können.
Herr von Pulteleben, froh nur Etwas zu haben, das ihn in diesem Augenblick von seinen Gedanken abzog, schlenderte langsam mit hinaus, um sich das Nähere selbst anzusehen.
Vor Buttlich's Wirthshaus hielt eine Familie, die eben, wie es schien, ausziehen wollte. Es war Bux mit Frau und Kindern, und der Mann beschäftigt, das wenige Gepäck das er bei sich führte, auf einen Esel zu laden. Die Frau und der älteste Junge halfen ihm dabei, und das Kleinste lag vor dem Haus auf seinem Bettchen, damit es die Mutter gleich nehmen konnte, wenn es schrie.
Bux hatte den größten Theil seiner Sachen theils versetzt, theils verkauft – um nicht zu verhungern, wie er sagte – und wollte nun Santa Clara verlassen, um in einer andern Colonie sein »Glück« zu versuchen. Schon seit ein paar Tagen hatte er das bewerkstelligt, und heute Morgen brach er mit seiner Familie auf.
Gerade als von Pulteleben vorüberging, schnürte er das Gepäck auf dem Esel fest, und der Junge sollte ihm von der andern Seite das Seil herübergeben. Er reichte ihm aber aus Versehen das falsche, und als er seinen Fehler auf Anschreien des Vaters, der ihn dadurch nur noch verwirrter machte, nicht gleich verbesserte, sprang der rohe Mensch um den Esel herum, und trat den armen Jungen mit einem gotteslästerlichen Fluch gegen den Schenkel, daß er heulend mitten in die Straße flog.
»Aber Ihr seid doch wahrhaftig schlimmer als ein Vieh,« rief von Pulteleben, der Zeuge dieser Scene gewesen war, entrüstet aus – »das nehme mir denn doch kein Mensch übel!«
»Geht's Euch was an?« knurrte der Mann, indem er, ohne sich um seinen mißhandelten Jungen weiter zu bekümmern, das Seil selber herumwarf und festschnürte, und zwar so fest, daß das arme Thier kaum noch athmen konnte – »einen Quark habt Ihr drein zu reden, und ich kann mit meinem Jungen machen was ich will!«
»Gefühlloser Mensch,« murmelte der junge Mann vor sich hin und ging vorbei, denn er dachte gar nicht daran, sich mit einem so rohen Burschen auf offener Straße in einen Streit einzulassen. Er hätte auch jedenfalls den Kürzeren ziehen müssen.
Die Leute zogen sich die Straße hinauf, in welcher der Schneider Justus gelebt hatte. Vor der Thür seiner Wohnung stand die alte Frau und erzählte heulend und schreiend drei oder vier anderen alten Damen Scenen aus dem Leben des Verstorbenen, die als höchst brauchbarer Stoff zu weiterer Verwendung begierig aufgefangen wurden.
Herr von Pulteleben ging die Straße hinauf, weiter und weiter. Er bedauerte schon sein Pferd nicht mitgenommen zu haben, denn er war kein Freund von langen Spaziergängen, aber es ließ sich jetzt nicht mehr ändern – der Weg zog sich schmählich in die Länge und die Sonne brannte unausstehlich. Jetzt bogen die Leute rechts ab und kletterten in die heißen Felsen hinauf, in denen ein, gegenwärtig freilich sehr unbedeutender Bergbach in der Regenzeit mächtiges Gestein mit heruntergewaschen und durch einander geworfen hatte. Oben zog sich ein kleiner Damm quer durch die Schlucht, der einen dünnen Wasserfall bildete, und rechts davon, vielleicht zweihundert Schritt entfernt, in einem Dickicht von Lorber und Cactus, lag die furchtbar entstellte Leiche des Ermordeten, der man sich unter dem Winde gar nicht nähern durfte.