»Weiter fehlte mir gar Nichts,« brummte von Pulteleben, riegelte hinter ihm zu und begann dann mit äußerster Sorgfalt seine Toilette zu machen. Selbst den schwarzen Frack bürstete er sehr sorgfältig aus, seufzte über einige Mottenlöcher, die ihm hineingefressen waren, klingelte dann, und als Dorothea heraufkam, ließ er sich bei der Frau Gräfin melden, »da er etwas Wichtiges mit ihr zu sprechen habe.«

Das Mädchen kam nach einiger Zeit zurück und berichtete, es würde der Frau Gräfin sehr angenehm sein, und von Pulteleben stieg jetzt genau mit dem nämlichen Gefühl die Treppe hinab, als ob in der ersten Etage ein Zahnarzt wohne, unter dessen Händen er sich einer sehr gefürchteten Operation unterwerfen wolle.

Die »Frau Gräfin« – wir müssen sie doch jetzt schon so fort nennen, da ja von Pulteleben auch keine Ahnung vom Gegentheil hatte – saß in voller Toilette auf ihrem Sopha, denn auch sie war eben im Begriff gewesen auszugehen und einen Besuch bei Rohrlands zu machen. Immer wiederholte sie diese Besuche, in der steten Hoffnung Helenen dort einmal allein treffen und sprechen zu können, und immer wich ihr Helene aus, ja, schloß sich sogar ein, wenn sie es erzwingen wollte.

»Sie haben gewünscht mich zu sprechen, Herr von Pulteleben?«

»Ja – Frau Gräfin,« sagte der junge Mann, mit dem Hut in der Hand und sich verlegen nach einem Stuhl umsehend – »ich – und ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, daß Sie ....«

»Und mit was kann ich Ihnen dienen? Bitte, nehmen Sie Platz,« sagte die Gräfin.

»Sie erlauben – ja, Frau Gräfin – Sie können sich doch wohl denken,« sprang von Pulteleben verzweifelt gleich mitten in die Frage hinein, »daß mir der jetzige Zustand – die Vernachlässigung meiner – Ihrer Fräulein Tochter, der Comtesse, unerträglich werden muß, und ich habe mir Tag und Nacht den Kopf darüber zerquält, was die Veranlassung dazu gewesen sein könnte. Wenn – wenn Sie mich nur über Eines beruhigen möchten.«

»Und das wäre?«

»Der Brief,« sagte von Pulteleben entschlossen.

»Welcher Brief!« fuhr die Frau Gräfin auf und schoß einen mißtrauischen Blick nach ihrem vis-à-vis. Hatte Helene etwa ihr Geheimniß verrathen? Aber von Pulteleben verscheuchte bald diese Befürchtung.