»Frau Gräfin!«
»Keine Entschuldigung, lieber Arno,« sagte die Dame, die ihre besonderen Gründe hatte sich auf keine Einzelnheiten einzulassen. »Ich gehe jetzt zu meiner Tochter Helene – in wenigen Tagen kommt außerdem der schon längst erwartete Dampfer, der mir sicher meine Briefe bringt, und – Sie werden mir noch fußfällig abbitten, daß Sie je an mir gezweifelt haben. – Werd' ich Ihnen doch beweisen können, daß ich wirklich wie eine Mutter für Sie gesorgt!«
»Beste Frau Gräfin!«
»Es ist schon gut,« lächelte seine Gönnerin – »wir sprechen heute Abend weiter darüber. – Guten Morgen, lieber Arno – guten Morgen!«
Die Frau Gräfin stand auf, grüßte noch einmal freundlich mit der Hand und rauschte dann durch die Thür die Treppe hinunter – hätte sie aber sehen können, was in Arno von Pulteleben's Busen vorging, sie hätte ihn nicht so rasch verlassen – wenigstens jetzt noch nicht.
Gerade als die Gräfin um die Ecke bog, kam Jeremias in das Haus herein und stieg langsam die Treppe hinauf. Herr von Pulteleben hatte ihn kommen sehen und erwartete ihn oben. Leise murmelte er dabei: Ja, ich weiß schon: mit Helenen sprechen, Briefe von Deutschland erwarten, mit den Wechseln, die nie eintreffen! – Nein, Frau Gräfin, das zieht nicht mehr, und wenn ich da nicht Gewalt brauche, bin ich wieder angeführt! – »He – Jeremias – Jeremias! Kommen Sie einmal rasch herauf!«
»Nun?« sagte Jeremias, indem er dem Rufe Folge leistete, »was haben Sie denn heute so Eiliges? Die Post geht noch nicht!«
»Jeremias,« sagte von Pulteleben, der sich in sichtbarer Aufregung befand, »wollen Sie – wollen Sie zwei Milreis verdienen?«
»Sind Sie ein komischer Mensch!« schmunzelte Jeremias; »können Sie mir einen vernünftigen Grund sagen, warum nicht?«
»Wo ist Oskar?«