Rottack sah etwas überrascht Herrn von Reitschen an, dann antwortete er wieder ruhig:
»Ich habe Ihnen schon gesagt, Herr Director, daß der Mann den Mord gestanden hat. Außerdem haben wir beide Gegenstände der alten Haushälterin des Ermordeten gezeigt, und sie ist erbötig, jeden Augenblick zu beschwören, daß sie nicht allein sein Eigenthum waren, sondern daß er sie auch am Tage der That getragen hat.«
»Hm – das sind allerdings sehr starke Beweise, und demnach scheint es,« sagte der Director, »als ob der Köhler nicht den Mord begangen hat – keinesfalls wenigstens allein.«
»Außerdem,« fuhr Rottack fort, »ist, wie ich eben da unten höre, der Colonist jetzt mit vor der Thür und hat seinen Schwager und seine beiden Brüder mitgebracht, in dessen Hause sich Köhler gerade die Nacht, in welcher der Mord verübt wurde, aufgehalten. Der Mann war schon einmal da, um seine Aussage zu beschwören, wurde aber nicht vorgelassen, und mußte wieder nach Hause, weil seine Frau schwer krank lag.«
»Hm – gut – ich will wünschen daß er unschuldig ist,« sagte der Director, nach seiner Uhr sehend – »doch das werden wir ja Alles bei dem Verhör herausbekommen. Ich werde gleich Auftrag geben, den gefangenen Verbrecher in Gewahrsam zu nehmen – heute ist es doch zu spät noch daran zu gehen, und morgen früh um zehn Uhr ersuche ich Sie dann, sich wieder hierher zu verfügen, um das Weitere zu erwarten.«
»Herr Director,« sagte Rottack staunend, »der arme Mann, der Köhler, hat Wochen lang unschuldig gesessen, und ist in seinem Gefängniß sogar erkrankt; wir haben jetzt den bestimmten Beweis, daß er unschuldig war – wollen Sie ihn noch eine Nacht länger ohne Noth in dem Zustande lassen?«
»Sie haben den Beweis, mein lieber Herr Graf,« lächelte der Director, »aber ich habe ihn nicht eher, als bis das Verhör geschlossen ist. Sie nehmen sich überhaupt der Sache mit einem solchen Feuereifer an, daß Sie sogar ganz in Gedanken bewaffnet in mein Zimmer gekommen sind.«
»Herr Director,« sagte der junge Graf finster, »der Ort wimmelt hier so von Bewaffneten, daß man sich ordentlich in einem Belagerungszustand glaubt, und da kann Einem etwas Derartiges wohl passiren. Doch das sind Nebendinge, und im Auftrag der sämmtlichen Colonisten von Santa Clara ersuche ich Sie recht freundlich, das Verhör des Gefangenen jetzt gleich vorzunehmen und den Unschuldigen seiner Familie wieder zu geben.«
Der Baron bog sich zu dem Director über und flüsterte ihm ein paar Worte in's Ohr. Es lag Etwas in Rottack's Auge, das ihm nicht gefiel, und er war von je ein Mann des Friedens gewesen.
»Mein lieber Baron,« sagte aber der Director, »es thut wir wirklich leid, aber ich kann und werde von meinen bestimmten Geschäftsstunden nicht abgehen. Es ist vier Uhr vorüber« – er sah wieder nach der Uhr – »ja, sogar schon ein Viertel auf Fünf vorbei, und es bleibt uns heute keine Zeit mehr, die Sache vorzunehmen. Wie ich Ihnen also gesagt habe, Herr Graf, morgen früh um zehn Uhr.«