»Fragen darf?« sagte Oskar trotzig — »fragen darf man schon, aber wenn ich Dir nun antworte: Was geht Dich das an?«
»Und wenn ich Dich nun frage, mein Herr Leichtfuß?« rief die Gräfin, indem sie mit zusammengezogenen Brauen zu ihm aufsah; »ich hoffe doch, daß ich wenigstens das Recht dazu habe.«
»Allerdings, Mama,« lachte Oskar, »denn Du bist ja mein Cassirer — dann werde ich Dir also einfach antworten, das macht Alles meine gütige Mutter ab.«
»Und darin könntest Du Dich dieses Mal verrechnet haben!« rief die Gräfin rasch und ärgerlich; »Deine Verschwendung geht in das Bodenlose, und ich habe nicht länger Lust, mich Deinethalben nur immer in neue Sorgen und Verlegenheiten zu stürzen.«
»Huih!« sagte Oskar, erstaunt von Mutter zu Schwester und wieder zurücksehend — »da bin ich ja, wie es scheint, zu sehr unrechter Zeit in eine Familienberathung über Wirthschaftsangelegenheiten hineingekommen, wo aller Wahrscheinlichkeit nach ein neuer Hausplan entworfen wird. Bitte tausendmal um Entschuldigung daß ich gestört habe« — und seine Mütze aufgreifend, sprang er, so rasch er gekommen, die Treppe wieder hinab, machte unten sein Pferd los, setzte sich auf und galoppirte im nächsten Momente wieder in voller Flucht und was das Pferd laufen konnte, die Straße hinab.
»Das muß anders werden,« seufzte die Mutter, »das muß anders werden oder der Junge richtet uns vollständig zu Grunde!«
»Noch vollständiger?« sagte Helene, und ein bitteres Lächeln zuckte um ihre Lippen.
»Die einzige Möglichkeit,« fuhr die Mutter fort, »ist, ihn durch eine regelmäßige Beschäftigung zu binden. Er soll und muß erst einmal lernen, was es heißt sich sein Brod selber zu verdienen. Hat er das, dann wird er auch das Geld mehr zu Rathe halten — er wird geizig werden und sparen — Du glaubst es nicht? Du sollst sehen, ich bringe ihn noch dahin, daß er ein Zwanzigerstück dreimal in der Hand herumdreht, ehe er es ausgiebt.«
»Und wann soll diese Arbeit beginnen?« fragte Helene, die nur zu oft schon die guten Vorsätze ihrer Mutter, was die Erziehung des Bruders betraf, hatte anhören müssen und ihre vollkommene Gehaltlosigkeit zur Genüge kannte.
»Ich will heute noch mit Herrn von Pulteleben sprechen,« sagte die Gräfin, selber gern bereit, das trostlose Thema abzubrechen; »er hat mich ja sogar dringend gebeten, ihm eine Anlage für ein Capital zu rathen; ich bin es ihm sogar schuldig, daß ich ihn von unserm Plan in Kenntniß setze, und ich zweifle keinen Augenblick, er wird mit Freuden zugreifen. Wäre er doch auch ein Thor, wenn er es nicht thäte, denn nicht jedem jungen Fremden wird eine solche Aussicht geboten, wie er nur kaum das fremde Land betreten hat.«