»Ich sehe wenigstens eine Menge Menschen,« fuhr die Gräfin fort, ohne die Unterbrechung gelten zu lassen, »die nicht allein ihr Fortkommen auf höchst geschickte Weise finden, sondern auch noch Capital auf Capital zurücklegen, und es fällt mir gar nicht ein, ihnen mehr Verstandeskräfte zuzutrauen, als wir Beide auch besitzen, lieber Baron.«

»Aber, beste Frau Gräfin,« beharrte der Baron, »der Art Leute sind von Jugend an auf ihre Fäuste angewiesen gewesen, und Sie wollen doch nicht voraussetzen, daß wir Beide etwas Derartiges auch nur annähernd leisten könnten?«

»Ich denke gar nicht daran,« sagte die Gräfin mit einem vornehmen Zurückwerfen des Kopfes; »wo aber die rohe Kraft nicht ausreicht, da eben muß der Geist des Menschen eintreten, die Intelligenz, und wir finden es überall bestätigt, daß die erstere, die rohe Kraft meine ich, immer nur für die Speculation arbeitet, und diese eigentlich den Nutzen von jener ärntet.«

»Aber auch der Kaufmann braucht praktische Erfahrung,« seufzte der Baron, der seine Erfahrung schon außerordentlich theuer hatte bezahlen müssen — »und wir sind Beide zu alt, die noch zu lernen.«

»Bah,« sagte die Frau Gräfin, den Kopf mit Geringschätzung wiegend, »der Kaufmann ist nicht der einzige Speculirende, auch der Fabrikant speculirt, indem er sich weniger die Waaren als die Kräfte der Menschen selber dienstbar macht.«

»Aber, verehrte Frau Gräfin, Sie scheinen ganz zu vergessen, daß auch dazu Capital gehört, ja, und noch ein viel bedeutenderes Capital vielleicht, als zu einer einfachen Spekulation in Kaufmannsgütern, und wenn man das Letzte dann darauf gesetzt hätte und es schlüge fehl — was dann? — Denken Sie sich eine Existenz, selbst hier in einer brasilianischen Colonie, ohne die Mittel zu leben — denken Sie sich die Möglichkeit daß man bei diesen frechen und übermüthig gewordenen Bauern gezwungen sein sollte, ein Anlehen zu erheben; es wäre fürchterlich!«

Die Frau Gräfin schien nicht diese Angst vor einer derartigen Calamität zu theilen, deren sogenannte »Furchtbarkeit« sie außerdem schon erprobt hatte, ohne daran zu sterben; aber der Baron brauchte das gerade nicht zu wissen, und sie fuhr wie überlegend fort: »Dafür ist aber auch dem Menschen der Verstand gegeben, daß er ihn richtig gebraucht und anwendet, und sollten die höheren Stände mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln nicht besonders da mehr bevorzugt sein, eine größere und gediegenere Kraft in die Wagschale zu werfen, als der rohe und ungebildete Bauer es im Stande wäre?«

»Der rohe und ungebildete Bauer,« erwiederte der Baron achselzuckend, »hat von dem Schöpfer eine Art von Instinct bekommen, der gerade da anfängt, wo sein Verstand aufhört, und mit oft unbewußter Benutzung desselben macht er zu Zeiten die erstaunlichsten und unbegreiflichsten Dinge möglich.«

»Sie sind eingeschüchtert, lieber Baron,« sagte die Gräfin lächelnd, indem sie ihre Hand auf seinen Arm legte.

»Und habe alle Ursache dazu,« seufzte der Baron.