»Ich besitze allerdings ein kleines«, verbesserte sich der Baron, »was ich aus dem Verkaufe meiner Chagra und meines Viehes, besonders meiner Pferde, gelöst habe, aber ich brauche das nothwendig zu meinem unmittelbaren Leben, und wenn ich dasselbe angreife, bin ich am Ende genöthigt, mir noch auf meine alten Tage mein Brod mit Handarbeit zu verdienen.«
»Und glauben Sie nicht, daß Sie das Drei-, ja, vielleicht Vierfache ihrer jetzigen Zinsen bei einem solchen Unternehmen herausschlagen könnten?« lächelte die Gräfin.
Der Baron hätte um sein Leben gern »Nein« gesagt, aber er riskirte es nicht; die etwas hitzige Gräfin hätte sich beleidigt fühlen können, und er erwiederte nur achselzuckend:
»Ich bin zu alt zur Speculation, meine Gnädigste, und — außerdem ist mir die Sache auch wirklich noch zu neu — zu fremd — es kam mir zu überraschend. Gestatten Sie mir, daß ich mich vorher ein Wenig informire, und wir können ja dann später mit Muße darüber sprechen.«
»Aber die Zeit drängt, mein bester Baron,« versicherte die Gräfin; »ich habe die nicht unbegründete Vermuthung, daß sich Andere mit einer ähnlichen Idee tragen, und es ist in der That seltsam, daß ein solches auf der Hand liegendes Unternehmen nicht schon lange mit Begierde aufgegriffen ist. Was also geschehen soll, muß rasch geschehen. Ich habe dabei von Anfang an auf Sie gerechnet, da ich Sie als alten, lieben Freund meines Hauses kannte, und ich hoffe nicht, daß Sie mich jetzt im Stiche lassen werden.«
Dem Baron kam es allerdings etwas wunderlich vor, daß die Frau Gräfin gerade auf ihn von Anfang an gerechnet haben sollte, während sie ihn erst im letzten entscheidenden Augenblicke davon in Kenntniß setzte. So groß seine Höflichkeit aber auch sein mochte, der Trieb zur Selbsterhaltung war doch noch größer, und mit viel mehr Entschiedenheit, als er bis jetzt gezeigt und überhaupt der Gräfin gegenüber für möglich gehalten hätte, sagte er, indem er seine Tabaksdose in allen Taschen suchte:
»Man soll eine Dame nie im Stiche lassen, meine Gnädigste, aber — ich bitte tausendmal meiner Hartnäckigkeit wegen um Entschuldigung — ich muß doch darauf bestehen, vor allen Dingen mir eine größere Kenntniß über den Betrieb dieser Angelegenheit zu verschaffen. Apropos — sollte sich der Director Sarno nicht am Ende bewogen finden, ein so gemeinnütziges Unternehmen aus Regierungsmitteln zu fördern?«
Ein ganz eigener Ausdruck von Zorn und Verachtung zuckte um die Lippen der Dame, als sie erwiederte:
»Ja, wenn ihm Einer der Bauern den Vorschlag gemacht hätte.«
»So haben Sie schon mit ihm darüber gesprochen?« rief der Baron, von dieser Wendung sichtlich überrascht.