»So,« sagte Oskar, indem er einen Theil des Wassers wieder abschweppte, »das ist ein Bißchen zu viel und wirft sich schlecht. Jetzt nimm einmal den Eimer, Jeremias, und komm mit mir an die Hecke da drüben, wo der verrückte Kerl die Violine quält — hörst Du den Musikanten da drüben?«

»Ja,« sagte Jeremias, und sah den jungen Grafen erwartungsvoll an.

»Schön,« lachte der junge Bursche, »dem wollen wir einmal den Eimer über den Hals gießen, um den holden Schwärmer etwas abzukühlen.«

»So?« sagte Jeremias, ohne sich von der Stelle zu rühren.

»Na, vorwärts!« rief Oskar, auf den Eimer zeigend; »mach' schnell, ich zeig' Dir den Platz wo er steckt, meine alte Jeremiade!«

»Wissen Sie,« sagte Jeremias, ohne nur eine Hand zu regen oder eine Miene zu machen, als ob er dem Befehle Folge leisten wolle, »davon steht auch Nichts in unserem Contracte.«

»Contract? Esel,« brummte Oskar, »wenn ich Dir sage, das thust Du, so thust Du es, das ist unser Contract, weiter Nichts.«

»So?« meinte Jeremias, der den »Esel« als selbstverständlich hinnahm — »anderen Leuten Wasser in die Violine zu gießen, widerstreitet aber meinen Grundsätzen, und wenn sich der Herr Graf eine Tracht Schläge für unbefugtes Löschen, wo's gar nicht brennt, holen wollen — mit dem größten Vergnügen — da steht der Eimer, Jeremias hat aber heute seinen Sonntagsrock an und ist diesen Morgen in der Kirche gewesen — was andere Leute vielleicht nicht von sich sagen können. Wünsche allerseits einen guten Abend« — und die Hände wieder in die Taschen schiebend, ging er um den Eimer herum und zur Thür hinaus, ohne sich um den Grafen weiter zu bekümmern.

Oskar sandte ihm einen herzhaften Fluch hinterher, sah aber auch ein, daß er mit dem dickköpfigen Burschen Nichts ausrichten könne. Nicht gesonnen jedoch, den einmal gefaßten Plan so rasch aufzugeben, nahm er jetzt selber den Eimer und schlich damit in den Garten. Ehe er übrigens die Stelle erreichte, wo der nächtliche Musiker gestanden, verstummte die Violine. Die letzten Töne waren verklungen und der Platz leer. Oskar horchte noch eine Weile in die stille Nacht hinaus, aber das Concert war jedenfalls vorbei, das Zimmer seiner Schwester blieb dunkel, und mit einem Fluche das Wasser über die nächsten Beete gießend, nahm er den leeren Eimer zum Hause zurück.