»Wen sucht Ihr denn?« fragte eine Frau, die gerade des Weges kam und auch zu den neuen Einwanderern gehörte.
»Die alte Frau Mecheln aus dem Würtembergischen, aus Bellstadt,« rief die Frau vom Wagen herunter, und griff ihrem Manne in die Zügel, weil das Pferd nicht stehen wollte.
»O, die alte Mecheln, die ist mit bei uns! — Gleich da drüben um die Ecke, wo der große Baum vor dem Hause liegt.«
»Und sie ist wohl?«
»Kerngesund, die ganze Reise gewesen.«
Der Mann hatte bei der Erwähnung des Hauses schon sein Pferd in die bezeichnete Straße eingelenkt; die Frau winkte dankend mit der Hand, fort rasselte das Geschirr, daß die Funken stoben, und hielt gleich darauf vor dem genannten Hause. Und sie brauchten hier nicht lange zu warten. Sobald der Wagen anhielt, ging die Thür auf, und die alte Frau, die mit Schmerzen darauf gewartet hatte, daß sie Einer der Ihrigen hier erwarten solle, trat in die Thür.
»Großmutter!« schrie die Frau ihr schon vom Wagen aus entgegen — »Großmutter — wie geht's — wie geht's?«
»O, Du mein himmlischer Vater!« rief die alte Frau und hielt sich an dem Thürgeländer, an dem sie stand. Aber ihre Enkelin war schon unten bei ihr — wie sie mit dem Kinde vom Wagen gekommen, wußte sie selber nicht — mit Einem Satze war sie unten und bei der Großmutter, ließ das Kind auf die Erde niedergleiten, umfaßte die alte, zitternde Frau und schluchzte, als ob ihr das Herz brechen solle vor Nichts als Wonne und Seligkeit.
Der Mann hatte noch mit den Pferden zu thun, die nicht stehen wollten, aber ein Bekannter kam die Straße herunter, der ihm dabei half und dieselben hielt, und er stieg nun auch ab, warf erst die Stränge los, daß kein Unglück geschehen konnte, und ging dann ebenfalls langsam zur Großmutter hinüber, die er beim Kopfe nahm und herzhaft abküßte.
Dann aber faßte er die Sache auch praktisch an, denn ein einziger Blick in den innern Raum sagte ihm schon, daß die alte Frau hier nicht länger bleiben konnte. Ohne sich deshalb weiter um etwas Anderes zu bekümmern, ging er in das Haus und ließ sich die sämmtlichen Sachen von der »Großmutter« geben, die schon alle zusammen in der einen Ecke standen, lud dieselben mit Hülfe einiger der Auswanderer auf den Wagen und nahm dann die alte Frau selber wie ein Kind auf den Arm, um sie auf den schon für sie bereiten Sitz zu tragen.