»Er kommt dicht hinter mir,« sagte Oskar; »Herr von Pulteleben, ich soll Ihnen melden daß pünktlich um ein Uhr gegessen wird.«

»So? Sehr angenehm, ich werde auf meinem Zimmer essen.«

»Dazu ist die nöthige Einrichtung doch noch nicht getroffen,« erwiederte Oskar; »ich habe den Auftrag, Sie zu ersuchen mit uns zu diniren.«

»Hm,« sagte von Pulteleben, der sich schon zu Hause vorgenommen hatte, der amerikanischen »Freiheit und Gleichheit« so viel als möglich aus dem Wege zu gehen, und nicht gleich mit sich im Klaren war, ob er vielleicht seiner künftigen Stellung in der Colonie Etwas vergeben würde, wenn er mit der »Bäckerfamilie« speiste, — »ich esse viel lieber allein.«

»Dann lassen Sie sich's heute wenigstens einmal bei uns gefallen,« lachte Oskar, »morgen werden Sie jedenfalls allein essen können.«

»Nun gut,« erwiederte von Pulteleben — »na endlich,« wandte er sich dann an den eben eintretenden Jeremias, indem er ihm den Stiefelknecht abnahm und seine bestaubten Stiefel auszog — »setzen Sie den Stuhl nur dahin — aha, und auch ein kleiner Spiegel. Das muß ich gestehen, lieber Freund, auf Gäste scheinen Sie hier im Hause nicht eingerichtet zu sein. Die Unordnung ist wirklich bodenlos und die Bedienung noch schlechter. Wie heißen Sie, he?«

»Jeremias, zu Befehl,« sagte dieses würdige Individuum in steifer Haltung und warf einen etwas unruhigen Blick auf Oskar hinüber, von dem er nicht wußte, wie er das Urtheil über die Wirthschaft aufnehmen würde. Dieser aber amüsirte sich vortrefflich, und während der junge Mann seine Stiefel wechselte und dann seinen Hut nahm, saß er verkehrt auf dem einen Stuhle, stützte sich mit beiden Armen auf die Lehne und sah ihm lächelnd zu. Endlich hatte von Pulteleben seine Toilette beendet, schloß seine Koffer, sah sich noch einmal im Zimmer um, ob er Nichts vergessen hätte, und sagte: »So — wenn's gefällig ist; ich möchte zuschließen.«

»Aha, mit Vergnügen,« rief Oskar aufspringend — »wollen Sie den Schlüssel mitnehmen oder da lassen?«

»Hm — ich werde ihn da lassen, damit das Mädchen nachher aufräumen kann — man hat doch Nichts zu befürchten?«

Jeremias sah wieder Oskar bestürzt von der Seite an, dieser aber erwiederte lächelnd: »Nicht das Geringste — aber Sie sind pünktlich?«