Vorher schon hatte seine Frau, das bleiche, abgehärmte Gesicht von einer verdrückten Rosenguirlande entstellt, die müden Glieder in ein fleckiges, oft und oft ausgebessertes Seidenkleid gesteckt, an einem kleinen Tische vor dem Eingange ihren Sitz genommen, um die Billete für die Zuschauer auszugeben, und Isabella, ihre Tochter, in einem sehr kurzen weißen Kleide, ebenfalls mit fleischfarbenen Tricots, eine Menge Blumen im Haar und die Wangen unnatürlich roth geschminkt, trat zu ihr und lehnte ihren Kopf an der Mutter Schulter.
»Du, Wilhelm — was ist denn das?« fragte ein junger Bursche von vielleicht zwanzig Jahren, der hier in Brasilien geboren worden, seinen Kameraden, indem er mit offenem Munde auf die Gruppe zeigte — »wo kommen die Leut' her und was wollen die hier? Sind das vielleicht deutsche Indianer?«
»Gott weiß es!« sagte der Angeredete, der kein Auge von Bux verwandte — »sieh' nur, der Kerl geht ganz nackigt — oder hat er sich die Beine nur so angestrichen?«
»Und wie sich die Frau herausgeputzt hat,« flüsterten ein paar junge Mädchen mit einander — »und sieh nur, was das Kleid für Flecken hat, und da am linken Ärmelbesatz sitzt ein blauer Streifen, der eingeflickt ist.«
»Und das Kind haben sie roth angestrichen,« antwortete die Freundin — »was mag denn nur los sein, daß sie solchen Unsinn treiben!«
»Immer herein, meine Hörrschaften!« rief da der Ventriloquist mit seiner scharfen Stimme über die sich mehr und mehr sammelnden Zuschauer hin, von denen sich aber noch Keiner getraut hatte, den Platz selber zu betreten — »immer herein, immer herein! Hür ist der Platz, wo Sie Staunenswerthes sehen und erleben werden, hür ist die Gelegenheit, die Wunder des menschlichen Geistes und Körpers zu erkennen! Hür ist der Ort, wo der berühmte Bux Ihnen zeigen wird, was Sie bis jetzt noch nicht gewußt haben, und der junge Athlete Guido seine Kraft und Gelenkigkeit entwickeln soll, während Mademoiselle Isabella in Grazie und jugendlicher Unschuld einige Tänze aus der alten griechischen Heidenzeit aufzuführen die Ehre haben wird! Immer herein, meine Hörrschaften, immer herein! Keiner ist genöthigt da draußen stehen zu bleiben, und es kostet gar Nichts — nur fünfhundert Reis die Person, Kinder unter zwölf Jahren die Hälfte, Säuglinge frei; immer herein, meine Hörrschaften, immer herein — jetzt gerade wird der Anfang beginnen!«
»Herr Gott, hat der Kerl ein Maulwerk am Kopfe!« sagte einer der Außenstehenden — »wie ein Mühlwerk geht's und klappert auch gerade so.«
Bux stolzirte indessen auf dem schmalen Raume, welcher ihm zum Entrée diente, auf und ab, und zwar mit einem großen rothbaumwollenen Taschentuch in der Hand, das ihm Guido aus der Thür herausreichen mußte. Er hatte den Schnupfen, in seinem gegenwärtigen Costüm aber leider keine Tasche, und der rothe geblümte Lappen paßte eigentlich nicht recht zu den himmelblauen gestickten Schwimmhosen und dem Goldreif um den Kopf.
»Immer herein, meine Hörrschaften!« schrie da plötzlich eine andere Stimme, die unserm Freunde Jeremias gehörte. Dieser war nämlich durch den Lärm ebenfalls angelockt worden und hatte der Versuchung nicht widerstehen können, dem aufgeputzten Burschen, den er haßte, einen Streich zu spielen — »immer nur herein — hür werden Sie sehen, wie man Sie auf geschickte Weise um Ihr Geld bringt — hür werden Sie schauen, wie sich Jammer und Elend mit Blumen herausstaffirt und ein paar aufgeputzte Kindergerippe auf einem Beine tanzen — hür werden Sie sehen….«
»Du hast einen silbernen Löffel gestohlen!« rief es plötzlich neben Jeremias, aber auf der entgegengesetzten Seite von der, wo Bux stand, welcher den neuen Ausrufer vollkommen ruhig betrachtete.