»Und was giebt's nun wieder?« fragte Sarno ruhig, und dann nach der Landung hinunter horchend, fuhr er fort — »was ist denn das für ein Lärm da unten, Jeremias?«
»Das ist ja eben die Bombe,« sagte der kleine Bursche — »der neue Director mit einem ganzen Schwarm brauner und schwarzer Soldaten, die man bei uns zu Hause alle für Geld könnte sehen lassen.«
»Der neue Director,« lächelte Sarno — »und woher weißt Du das?«
»Eben ist das Dampfschiff hereingekommen,« versicherte Jeremias — »gerade von Santa Catharina — und der Director ist mit den Booten unten von der kleinen Barre heraufgekommen, weil der Fluß jetzt so niedrig ist, und der Bodenlos hat einen Bekannten dabei getroffen, einen Deutschen, und der hat ihm die Geschichte erzählt. Der neue Director logirt bei dem Baron, und die Soldaten sind mitgeschickt, daß uns die Indianer hier nicht die Hälse abschneiden sollen.«
»So?« sagte Sarno ruhig und schritt auf sein Haus zu — »komm' mit, Jeremias, vielleicht giebt es Etwas zu besorgen« — und ohne weiter eine Frage an seinen Begleiter zu richten, setzte er seinen Weg fort. — Der neue Director? Er hatte etwas Ähnliches schon lange erwartet, wenn auch freilich in anderer Weise, und lange schon gewünscht, dieses lästigen, undankbaren Postens enthoben zu sein, und trotzdem war es ihm doch ein bitteres Gefühl, sich zu denken, daß er für so vollkommen entbehrlich gehalten wurde, seine Arbeit ohne weitere Umstände durch einen Andern — er wußte ja noch nicht einmal, durch wen — fortgeführt und sich bei Seite geworfen zu sehen.
Er stand, mit diesen Gedanken beschäftigt, vor seinem Hause, ehe er selbst recht wußte, wie er dahin gekommen. Die Entscheidung ließ aber auch nicht lange auf sich warten, denn selbst vor seiner Thür fand er einen der brasilianischen Soldaten in blauer Uniformjacke, Sommerhosen und bloßen Füßen, der ein Schreiben in der Hand hielt und auf Jemanden zu warten schien.
»Zu wem willst Du?« fragte er ihn.
»Senhor Sarno.«
»Der bin ich selber.«
»Brief abzugeben,« sagte der Soldat und reichte ihm das Schreiben.